Die Ökumenische Kampagne 2023 stellt Klimagerechtigkeit, unsere Ernährung und deren Produktion in den Fokus.

Ökumenische Kampagne 2023

Klimaextreme wie Dürreperioden, übermässige Niederschläge oder Wirbelstürme gefährden den Anbau von Nahrungsmitteln und somit das Recht auf Nahrung von Millionen Menschen. Dies trifft kleinbäuerliche Familien im globalen Süden mit Hunger und Not und offenbart eine der herrschenden Ungerechtigkeiten: Die Menschen, die am wenigsten zur Klimaerhitzung beitragen, leiden am meisten darunter. Deshalb stellt die Ökumenische Kampagne 2023 im Rahmen des Themenzyklus Klimagerechtigkeit das Recht auf Nahrung, die Produktion der Nahrungsmittel und unsere Ernährungsgewohnheiten in den Fokus.

Klimagerechtigkeit verlangt, dass alle Menschen – auch die heranwachsenden und zukünftigen Generationen – ein Leben in Würde führen können. Folglich müssen wir Verantwortung übernehmen und unser Konsumverhalten sowie unseren Lebensstil schöpfungsverträglich gestalten. Die christliche Spiritualität schlägt eine Vision vor, welche die Liebe Gottes als Verbindung zu allem Lebendigen betrachtet. Der Mensch wird dazu aufgerufen, jede Handlung mit dieser Haltung zu verbinden. Fastenaktion, Partner sein und HEKS weisen darauf hin, dass die Klimaerhitzung und die damit verbundene Umweltzerstörung mit dem Armutsproblem untrennbar verknüpft sind. Verantwortung übernehmen heisst, diese Verbindung ernst zu nehmen, solidarisch zu handeln und den eigenen ökologischen Fussabdruck zu reduzieren.

 

Die Ökumenische Kampagne 2023 richtet den Fokus auf unsere Ernährung und deren Produktion. Die Art und Weise, wie wir heute Lebensmittel produzieren, ist für mehr als ein Drittel der schädlichen Treibhausgase verantwortlich. Die Landwirtschaft – insbesondere die intensive und industriell ausgerichtete – ist eine der grössten Verursacherinnen von Klimagasen. Ein Wandel hin zu einer ressourcenschonenden, umweltfreundlicheren Landwirtschaft und einem lokalen, saisonalen Konsum hilft mit, die Treibhausgasbilanz von Ernährung und Produktion zu verbessern.

 

HEKS, Fastenaktion und Partner sein fördern mit ihren Projekten eine kleinräumige Landwirtschaft, die auf Austausch, standortangepassten Anbau, lokale Vermarktung und politische Partizipation setzt. Diesen Ansatz fassen die Organisationen unter dem Begriff Agrarökologie zusammen. Agrarökologie hat mehrere Vorteile: Sie stösst weniger Klimagase aus als die industrielle Landwirtschaft und fördert die Anpassung an die veränderten Klimabedingungen. Sie setzt auf Vielfalt, lokal angepasste Sorten und Anbaumethoden und kann so auch Extremwetter trotzen. Agrarökologie hat zudem die Gesundheit der Menschen im Blick und sichert die Ernährung in Krisenzeiten.

 

Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden produzieren dank Agrarökologie qualitativ gute Produkte, die ihre Ernährung und ihr Einkommen langfristig sichern. Dieser Ansatz hilft auch dabei, dass die Landwirtschaft und die Ernährung vom Problem zu einem Lösungsansatz werden. Zusammengefasst fördert die Agrarökologie regionalen und saisonalen Konsum, faire Vermarktung sowie ökologische und nachhaltige Produktionsweisen.

 

Ziel der Ökumenischen Kampagne ist es,

  • für die Ursachen der Klimaerhitzung zu sensibilisieren.
  • einen Beitrag dazu zu leisten, die Erderwärmung auf 1.5° C zu begrenzen.
  • Impulse für einen schöpfungsverträglichen Lebensstil zu geben.
  • Mittel für die Projekt- und Programmarbeit der Organisationen zu sammeln, um klimarelevante und ernährungssichernde Projekte zu fördern.
  • einen spirituellen Input für die Fasten- bzw. Passionszeit zu geben.

 

Die Ökumenische Kampagne vom 22. Februar bis 09. April 2023 ist die dritte des vierjährigen Themenzyklus Klimagerechtigkeit. Sie schliesst an frühere Kampagnen zum Thema Klima an (1989 – „Die Zeit drängt“, 2009 – „Weil das Recht auf Nahrung ein gutes Klima braucht“ und 2015 – „Weniger für uns. Genug für alle“).

Weiterführende Unterlagen:

Auskünfte:  

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne, 
    , 041 227 59 22 
  • Elke Fassbender, Leiterin Ökumenische Kampagne,
    031 380 65 91
Die Schweizer Klimapolitik stockt und die Zeit drängt! Mit den Instrumenten von heute erreichen wir die Ziele von morgen nicht. Doch eine Klimaerhitzung über 1,5° C würde irreparable Schäden verursachen.

Luzern/Zürich, 15. März 2022. Ab heute lebt die Schweiz in bezug auf die Klimagerechtigkeit auf Kosten anderer. Die Menge CO2, welche die Schweiz ausstossen darf, um die 1.5-Grad-Beschränkung einzuhalten, ist erreicht. Fastenaktion, HEKS und Partner sein forderten deshalb an einer Medienkonferenz in Bern ambitionierte Klimaziele. Es braucht konkrete und griffige Massnahmen, damit die Schweiz das Ziel Netto-Null bis 2040 erreicht. Nur so können die Klimagerechtigkeit garantiert und jene Menschen gestärkt werden, die am meisten unter den Auswirkungen der Klimaerhitzung leiden.

Um die globale Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, wie es das Pariser Klimaabkommen anstrebt, hat sich die Schweiz das Netto-Null-Ziel bis 2050 gesetzt. In Bezug auf die Klimagerechtigkeit haben wir jedoch heute schon unser ganzes CO2-Guthaben aufgebraucht. Zu diesem Schluss kam eine Diskussion zum Thema Klimagerechtigkeit von Ethiker:innen aus kirchlichen Institutionen. Diskutiert wurde auf der Grundlage von klimawissenschaftlichen Daten des Weltklimarates. Ab heute dürfte die Schweiz folglich kein CO2 mehr ausstossen. Dies tut sie aber weiterhin – auf Kosten anderer. «Jetzt ist es an der Zeit, konsequent und ambitioniert zu handeln. Die Schweiz muss ihren Beitrag zu mehr Klimagerechtigkeit leisten», sagte Judith Macchi, Themenbeauftragte für Klima und Umwelt bei HEKS, an der Medienkonferenz in Bern.  

Bemühungen für mehr Klimagerechtigkeit

In einem offenen Brief fordern die Hilfswerke von Bundesrat und Parlament ambitioniertere Klimaziele. «Wir verlangen die konsequente Abkehr von fossilen Energieträgern», erklärte Stefan Salzmann, Beauftragter für Klima- und Energiepolitik bei Fastenaktion. «Das Netto-Null-Ziel muss 2040 erreicht sein – nicht 2050 wie bis anhin – und dies auf einem mindestens linearen Absenkpfad. Zudem sollen die Beiträge zur Finanzierung von Emissionsminderungen und Anpassungen in anderen Ländern erhöht werden». Im Rahmen der Ökumenischen Kampagne haben die Hilfswerke deshalb eine Petition lanciert, die über Postkarten an Bundesrätin Sommaruga unterzeichnet werden kann. Bundesrat und Parlament werden darin aufgefordert, eine mutige und weitsichtige Klimapolitik zu betreiben und ihre Verantwortung für Klimagerechtigkeit wahrzunehmen.   

Sicht aus dem Süden

Jedes zusätzliche Zehntelgrad an globaler Erwärmung führt zu häufigeren Wetterextremen, mit welchen die Menschen in den Programmländern der drei Hilfswerke vermehrt zu kämpfen haben. Die Dürre in Madagaskar hat zu einer Hungersnot geführt, Taifune auf den Philippinen sorgten für Verwüstung und Armut, Überschwemmungen in Kolumbien raubten den Betroffenen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Folgen des Klimawandels sind sichtbar, und wohlhabende Länder wie die Schweiz stehen in der Verantwortung zu handeln. Zum einen, weil sie deutlich mehr zur Klimaerwärmung beitragen als die Menschen im globalen Süden, die jedoch ungleich stärker davon betroffen sind; zum anderen, weil sie im Gegensatz zu ärmeren Regionen die nötigen Ressourcen dafür haben. Der neueste IPCC-Bericht betont die Bedrohung des Klimawandels für die Menschheit und die Erde: Werde nicht bald entschlossen gehandelt, schliesse sich «für alle das Fenster auf eine sichere,  lebenswerte und nachhaltige Zukunft». 

Weiterführende Unterlagen:

  • «Handeln», das Magazin von HEKS zum Thema 
  • «Perspektiven», das Magazin von Fastenaktion zum Thema  

Auskünfte:  

  • Bettina Filacanavo, Medien und Information, HEKS, ; 076 461 88 70 
  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne, , 041 227 59 22 
In einigen Regionen der Welt sind die Grenzen der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel bereits erreicht. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt der neue Bericht des Weltklimarats (IPCC).

Sehr geehrte Frau Bundesrätin
Sehr geehrte Damen und Herren des Parlaments

In den kommenden Sessionen stellen Sie die Weichen für unser Klima. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln. Dafür sind Taten und ein mutiges Vorangehen gefragt. Die Bevölkerung trägt den ambitionierten
Klimaschutz mit.

Fastenaktion (ehemals Fastenopfer) und HEKS widmen die Fastenzeit bzw. die Zeit vor Ostern dem Thema Klimagerechtigkeit. Die Auswirkungen der Klimaerhitzung sind Alltag der Partnerorganisationen von HEKS und Fastenaktion: Die Dürre und die darauf folgende Hungersnot in Madagaskar und der verheerende Taifun auf den Philippinen sind nur zwei aktuelle Beispiele dafür.

Wenn wir Klimagerechtigkeit ernst nehmen, dann müssen wir jetzt handeln. Eine ethische Beurteilung zu Klimagerechtigkeit vom Herbst 2021 kommt zum Schluss, dass die Menge CO2, welche die Schweiz ausstossen darf, um die 1.5-Grad-Beschränkung einzuhalten, am 15. März 2022 erschöpft ist. Ab dem 15. März 2022 leben und konsumieren wir in der Schweiz auf Kosten anderer. Das ist unfair! Mehr Informationen dazu finden Sie auf: sehenundhandeln.ch/Klimabudget.

Deshalb fordern Fastenaktion und HEKS Sie auf, die Erreichung ambitionierter Klimaziele zu ermöglichen: Sei es durch ein neues, griffiges CO2-Gesetz oder damit, dass im Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative
das Netto-0-Ziel bis 2040 festgeschrieben wird. Dieses Ziel muss auf einem mindestens linearen Absenkpfad erreicht werden und bedingt einen konsequenten Ausstieg aus fossilen Energieträgern.

Wir danken für Ihren Mut und Ihre Bereitschaft, vorwärts zu gehen. Die heranwachsenden und künftigen Generationen in der Schweiz, aber auch weltweit, werden es Ihnen danken!

Für Rückfragen, Diskussionen oder Erläuterungen steht Ihnen unser Klima-Team gerne Verfügung!

Mit hoffungsvollen Grüssen

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion
Peter Merz, Direktor HEKS

Mehr Informationen:

Auskünfte:

  • Yvan Maillard Ardenti, Themenbeauftragter für Klimagerechtigkeit HEKS
    yvan.maillard@heks.ch, +41 79 489 3824
  • Stefan Salzmann, Klima- und Energiepolitik, Fastenaktion
    , +41 41 227 59 53