Über 4500 Personen gingen am 22. Februar auf die Strasse um für eine sozialere und ökologischere Landwirtschaft zu demonstrieren. Bäuerinnen, Bürger, Politikerinnen und Aktivisten von jung bis alt sorgten für einen bunten und fröhlichen Umzug. In Vorfeld hatten die Beteiligten gemeinsam die Vision 2030 erarbeitet, um zu skizzieren wie die Schweizer Landwirtschaft in 10 Jahren aussehen könnte. Diese wurde im Anschluss an die Demo an Parlamentarier und Parlamentarierinnen übergeben.

Die Saatgutkoalition war durch HEKS und Fastenaktion mit einem Stand auf dem Bundesplatz vertreten. Tina Goethe konnte mit einer kurzen Rede auf die Problematik des Saatguts aufmerksam machen. Die Briefaktion stiess auf grosses Interesse. 230 Personen haben während der Demo einen Brief an das Seco geschrieben, mit der Forderung, künftig in den Freihandelsabkommen darauf zu verzichten, andere Länder zu einem restriktiven Sortenschutz zu zwingen und damit die Rechte der Bäuerinnen und Bauern zu beschneiden.

Alle Bilder und mehr Infos zur Briefaktion finden Sie hier.

Vision 2030 von Landwirtschaft mit Zukunft

 

«Ich bin heute hier, weil wir uns dafür einsetzen, dass das Saatgut in den Händen von Bäuerinnen und Bauern bleibt. Wir von HEKS und Fastenaktion unterstützen Bauernorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika in ihrem Widerstand gegen den Versuch der Agrarkonzerne, Saatgut zu privatisieren und zu monopolisieren.

Ich bin begeistert, dass wir heute so viele sind. Und dass wir gemeinsam eine Landwirtschaft wollen, die sozial ist, die ökologisch ist, die bäuerlich ist.

Saatgut ist dafür zentral. Es steht am Anfang jeder Lebensmittelproduktion. Wenn das Saatgut nicht mehr in der Hand von Bäuerinnen und Bauern ist, können wir unsere Vision einer sozial-ökologischen Landwirtschaft nicht erreichen.

In den Industrieländern haben die Konzerne den Saatgutmarkt längst übernommen. Und es sind nur noch eine Handvoll grosser Agrarfirmen, die den kommerziellen Saatgutmarkt weltweit kontrollieren. Bayer-Monsanto aus Deutschland, Corteva-Agriscience aus den USA. Und natürlich Syngenta, mittlerweile chinesisch, aber mit Hauptsitz in Basel. Die drei teilen 60 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes unter sich auf. Das ist ein Skandal. Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert unsere Ernährung.

Diese Übermacht der Unternehmen dürfen nicht akzeptieren! Sie haben viel zu viel Einfluss darauf, wie die Landwirtschaft heute und in Zukunft aussieht.

Ihren Einfluss setzen die Firmen auch in Afrika, Asien und Lateinamerika ein, um neue Märkte zu erschliessen. Und die Schweiz unterstützt sie dabei tatkräftig.

Das Vehikel dazu sind Freihandelsabkommen. Wenn die Schweiz verhandelt, sind die Interessen der Agrarkonzerne immer mit an Bord. Beim Abkommen mit Indonesien zum Beispiel, hat die Schweiz durchgesetzt, dass Indonesien ein strenges Sortenschutzgesetz verabschieden muss.

Sortenschutz ist eine Art Copyright auf Saatgut. Damit erhalten die Konzerne auf ihre Sorten das alleinige Verfügungsrecht. Wer solches Saatgut kauft, darf es genau einmal aussäen.

Alles andere ist den Bauern verboten: sie dürfen solcherart sortengeschütztes Saatgut nicht aus der Ernte zurückbehalten für die nächste Aussaat. Sie dürfen es nicht mit anderen tauschen. Sie dürfen es nicht auf dem lokalen Markt verkaufen.

Auf all das drohen mit dem neuen, strengen Sortenschutz hohe Strafen. Aber genau das: Nachbau, Tausch und Verkauf auf dem lokalen Markt machen die Bäuerinnen und Bauern seit Jahrtausenden. In Ländern des globalen Südens sind diese Praktiken auch heute noch Grundlage für Ernährungssicherheit und biologische Vielfalt.

Wenn jetzt die Schweiz Länder wie Indonesien und aktuell auch Malaysia dazu drängt, strenge Sortenschutzgesetze zu verabschieden, dann schützt sie damit nur die Interessen der Agrarkonzerne. Und bringt damit die Länder dazu, die bäuerlichen Saatgutsysteme zu zerstören.

Verantwortlich für die Verhandlungen der Freihandelsabkommen ist das Staatssekretariat für Wirtschaft, das Seco. Im Moment laufen die Verhandlungen zum Abkommen mit Malaysia.

Darum schicken im Moment Bauern und Bäuerinnen aus Malaysia und vielen anderen Ländern weltweit Briefe ans Seco. Sie fordern, dass das Seco aufhört, in den Freihandelsabkommen strenge Sortenschutzgesetze zu verlangen.

Schliesst Euch den Bauern und Bäuerinnen an. Schreibt auch Ihr einen Brief an das Seco. An unserem Stand haben wir die Briefe vorbereitet. Kommt unbedingt vorbei. Wir freuen uns riesig über Eure Unterstützung – damit das Saatgut in den Händen der Bäuerinnen und Bauern bleibt!»

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Hier können Sie den Betrag wählen, den Sie spenden möchten
Banner an einem Agrarökologie-Forum im Senegal.

Fastenaktion und HEKS setzen sich stark für Agrarökologie als zukunftsfähige Anbaumethode ein. Worum geht's da genau? Mareike Jäger ist Dipl. Ing. Agr. Landwirtin, arbeitet an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil und gibt Auskunft.

Was ist Agrarökologie? Gibt es unterschiedliche Ansätze?

Weltweit existieren verschiedene Ansichten darüber, was unter dem Begriff Agrarökologie zu verstehen ist. Die Forschung sieht darin vor allem eine wissenschaftliche Disziplin, welche die Wechselwirkung zwischen Agrarökosystemen und Kulturlandschaften untersucht. Während zum Beispiel in Brasilien die Agrarökologie als eine Art ökologische Landwirtschaft institutionalisiert ist, entwickelte sich in Europa der Biolandbau als eine Bewegung für eine nachhaltige Form der Landwirtschaft als verwandtes Konzept aus der Agrarökologie-Bewegung heraus. Es entstehen neuartige Formen der Landbewirtschaftung und vielfältige Produktionssysteme, die sich natürliche Ökosysteme zum Vorbild nehmen.

Wo und wie kommt sie in der Schweiz zum Einsatz?

Die Agrarpolitik unterstützt zwar die Schaffung vielfältigerer Strukturen zur Förderung der Biodiversität auf dem Landwirtschaftsbetrieb, doch gefördert wird eher ein künstliches Nebeneinander von Produktions- und Ökofläche. Konsequent umgesetzte agrarökologische Produktionsformen wie die Permakultur sind heute noch selten in der Schweiz.

Warum ist Agrarökologie erfolgversprechend?

Wir sehen bei den Agroforstsystemen, dass die Folgen des Klimawandels stärker abgepuffert werden können. Baumstrukturen auf Ackerflächen können helfen, die Wasserhaltefähigkeit der Böden zu verbessern und die Verdunstung zu verringern. Insgesamt wird man es schaffen müssen die Resillienz des gesamten Systems zu verbessern, anstatt einzelne kleine Hebel einzusetzen – wie der immer perfektioniertere Einsatz von Technik und Smartfarming.

Welches ist die grösste Herausforderung bei der Umsetzung?

Letzten Endes sind agrarökologische Methoden noch wenig bekannt in der breiten Praxis. Es wird, gemessen am Forschungsbudget für die konventionelle Landwirtschaft, kaum in die Forschung nachhaltiger Produktionssysteme investiert. Auch in der Ausbildung an den landwirtschaftlichen Schulen sind agrarökologische Themen heute noch Mangelware. Vor allem in den Bereichen Forschung und Bildung sehe ich den grössten Entwicklungsbedarf. Die Agrarpolitik ist insgesamt an agrarökologischen Themen interessiert, stösst aber immer wieder Grenzen, wenn es darum geht, neue Methoden und Nutzungsformen in der Landwirtschaft an das Direktzahlungssystem anzupassen. So bleiben nachhaltige Methoden für Landwirte häufig finanziell unattraktiv.

Wie kann jede und jeder Einzelne agrarökologisch anbauen?

Jeder Einzelne kann mit seinem Konsumverhalten dazu beitragen, die Agrarökologie zu fördern, indem möglichst regional, fair und saisonal eingekauft wird – im besten Fall direkt auf den Betrieben. In vielen grösseren Städten der Schweiz entstehen neue solidarische Landwirtschaftsprojekte, wo auch Menschen ohne Höfe sich einbringen können und wo sowohl Risiko als auch Ernte mit den Landwirten geteilt wird. Viele agrarökologische Methoden eignen sich auch für die Nachahmung im Kleinen: von der Kräuterspirale im Garten bis zum Wurmkomposter auf dem Balkon. Wer mehr Platz hat, pflanzt Wildobststräucher und einheimische Blühstauden im Garten.

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Im September haben wir die Petition „Stopp Landraub“ gestartet. Heute führen wir die ersten Gespräche mit Schweizer Grossverteilern, in welchen wir mit den über 12’500 Stimmen im Rücken unsere Forderung nach weniger Palmöl in unseren Produkten erklären werden. Bis im Frühling werden wir mit allen wichtigen Grossverteilern sprechen. 

In Guatemala vermehren sich die Ölpalmplantagen rasant. Die angestammten Maya-Völker werden vertrieben. Was das bedeutet, haben Carolina und ihre Familie am eigenen Leib erfahren.

Inmitten der dicht bepflanzten Ölpalmplantage steht Carolina Rax Tiul*. Sie lebt mit ihrer Familie unweit der endlosen Palmreihen, in denen kein Licht mehr durchdringt und die den lokalen Pflanzen den Platz wegenehmen.

Ihre Wohnung ist bescheiden, es gibt wenig Platz für das Ehepaar und die vier Kinder. Das war nicht immer so. «Bevor wir von bewaffneten Soldaten von unserem Boden vertrieben wurden, hatten wir ein schönes Haus. Wir hatten Land, das wir bepflanzt haben, und ernteten so viel Mais, dass wir immer auch noch etwas davon verkaufen konnten», erzählt Carolina. «Wir hatten ein gutes Leben.»

Die Erde bedeutet uns alles

Doch dieses Leben ist Vergangenheit. Weil der Agrarkonzern Naturaceites ihr Land für den Anbau von Ölpalmen aneignete, wurde die Familie Rax Tiul vertrieben. Plötzlich obdachlos, musste sie sich mühevoll ein neues Leben aufbauen. Die Sicherheitskräfte brannten ihr Haus und die Gemüsegärten nieder.

Noch heute ist Carolina traurig, wenn sie daran denkt, wie alles zerstört wurde und wie die Verantwortlichen der Firma ihnen vorwarfen, sich widerrechtlich auf dem Land angesiedelt zu haben, um sie dann als Eindringlinge zu vertreiben. Entrüstet wehrt sie sich gegen diese Anschuldigung und sagt mit Bestimmtheit:

«Dieses Land hat schon unseren Vorfahren gehört und in diesem Sinne haben wir es gehegt und gepflegt, denn die Erde bedeutet uns Maya alles.»

Als ob es nicht schon genug wäre, dass die Familie heute kaum genug zum Leben hat, macht die Umgebung der Ölpalm-Plantagen Mensch und Tiere auch noch krank. «Auf der Plantage werden Pestizide und Dünge- mittel eingesetzt, um die Erträge zu steigern», sagt Carolina Rax Tiul.

Immer mehr Ölpalmplantagen

Das Leben im Gebiet San Miguelito Cotoxjà ist gefährlich geworden. Doch nicht nur in dieser Region Guatemalas entstehen mehr und mehr Ölpalmplantagen. Mittlerweile gibt es sie in 9 von 22 Departementen und es werden ständig mehr. In den letzten Jahren belief sich ihr Wachstum auf 300 Prozent. Eine Entwicklung, die Carolina und ihrer Familie Angst macht, denn sie müssen jederzeit damit rechnen, unter fadenscheinigen Begründungen erneut vertrieben zu werden.

* Name geändert

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Benedict Manewa aus Liberia wehrt sich seit Jahren gegen die «Palmölriesen», die ihm das Land wegnehmen wollen. Er erzählt, wie er darum ringt, auf seinem Land bleiben zu dürfen – und dafür alles in Kauf nimmt.

«In meinem Leben wurde ich schon mehrere Male verhaftet, misshandelt und gefoltert. Der Grund: Mein Volk der Butaw Kru im Südosten von Liberia wehrt sich dagegen, dass Golden Veroleum Liberia (GVL) eine Konzession für unser Land erhalten hat, ohne dass wir befragt und in die Entscheide einbezogen wurden. Ich erinnere mich noch genau, wie am 3. Dezember 2010 zwei Dutzend Männer von GVL auf dem Land meiner Familie auftauchten. Ohne uns zu fragen oder mit uns zu sprechen, inspizierten sie Boden und Wald, füllten Tabellen aus und machten Skizzen. 

Andere Dorfbewohner sagten uns, dass offenbar ein Säuglingsheim geplant sei. Kurze Zeit später fuhren Bagger auf und begannen, unser Land zu planieren und den Wald zu roden. Wir versuchten, die Zerstörungen zu stoppen. Doch die Männer sagten, dass sie eine Konzession der Regierung hätten und eine Ölpalmplantage anlegen würden. Zugleich wollten sie eine Urkunde über unseren Landbesitz sehen. Doch bei uns wird Land von Generation zu Generation weitergegeben, ohne Dokument. Mein Beispiel brachte weitere Einwohner dazu, sich gegen den Landraub zu wehren. Trotzdem zerstörten die Bulldozer auch heilige Stätten und Grabfelder und verschmutzten Wasserläufe, aus denen wir Trinkwasser holten. Ganze Dörfer wurden zerstört.

Als unser Dorf verschwinden und ich mit meiner neunköpfigen Familie umsiedeln sollte, reiste ich im Juli 2011 in die Hauptstadt Monrovia und erhoffte mir Hilfe. Umweltjuristen von Green Advocates International (GAI) halfen uns, beim Roundtable on Sustainable Palmoil (RSPO) gegen die Verletzung unserer Rechte zu klagen. Ein Stopp der Arbeiten wurde dank GAI vereinbart – doch zugleich wurde ich von der Polizei verhaftet. Sie wollten mich einschüchtern, denn Anklage wurde nie erhoben. Freigelassen wurde ich erst, als die Juristen von GAI sich für mich einsetzten.

Im Gefängnis drohten sie mir mit dem Tod und folterten mich psychisch. Auch meine Familie wurde unter Druck gesetzt. Aber da ich für eine bedeutsame Sache litt, fürchtete ich mich nicht. Ich spürte auch die Unterstützung meiner Ahnen, weil ich um das Land kämpfte, das sie uns hinterlassen haben.»

Unterschreibe die Petition gegen weniger Palmöl Produkte in unseren Supermärkten!

Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Mit einer Online-Petition fordern HEKS und Fastenaktion die Schweizer Detailhändler auf, weniger Palmöl in ihren Produkten zu verwenden.

September 2017, Tagesschau im Schweizer Fernsehen: «Ölpalmplantagen bedrohen beliebte Erholungs-­ und Wohnzonen», liest Nachrichtensprecher Charles Clerc vor laufender Kamera, während im Hintergrund Bilder des Marzili in Bern, des Letten in Zürich, des Kasernenareals in Basel und des Lausanner Vidy-Quartiers zu sehen sind. Erste Anwohner seien bereits umgesiedelt worden. Grund für den Landverkauf sei die grosse Nachfrage nach palmölhaltigen Produkten.

Wäre diese Nachricht am 4. September effektiv in den Hauptnachrichten erschienen, hätte sich wohl mancher und manche schockiert die Augen gerieben. So wie viele Menschen in Liberia, Indonesien, Guatemala oder anderen Ländern des Südens, als bei ihnen plötzlich Behörden, Vermessungsgeräte und Bulldozer vor der Türe standen.

Doch während der Nachrichtenbeitrag ein fiktiver Kurzfilm ist, der aktuell über Internet verbreitet wird, sind diese Zustände in andern Ländern leider Realität. Der rasant steigenden Nachfrage nach Palmöl sind bislang mindestens 18,7 Millionen Hektar tropischen Regenwaldes, Buschlandes oder Torfgebiete zum Opfer gefallen – was rund 4,5 Mal der Fläche der Schweiz entspricht. Unzählige Menschen haben in der Folge ihre Lebensgrundlage verloren, zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind gar vom Aussterben bedroht.

Der Kurzfilm markiert den Auftakt der Kampagne von Brot für alle und Fastenaktion, mit der die beiden Organisationen Druck auf die grossen Schweizer Detailhändler machen. Die Petition soll diese dazu bewegen, künftig weniger Produkte mit Palmöl in ihrem Sortiment zu führen.

Palmöl ist nicht unverzichtbar

Rund jedes 6. Produkt in unseren Supermärkten enthält Palmöl. Der Grund: Palmöl ist vielseitig einsetzbar und vor allem günstig. Im Gespräch verweisen die Grossverteiler Migros und Coop darauf, dass es ohne Palmöl nicht gehe und sie fast nur nachhaltiges Palmöl nutzen würden. Erfahrungen und Recherchen der Partnerorganisationen von Brot für alle und Fastenaktion vor Ort zeigen jedoch, dass Zertifizierungen wie die des Round Table on Sustainable Palmoil (RSPO) die Probleme von Landraub und anderen Menschenrechtsverletzungen nicht lösen.

Und so unverzichtbar, wie das die Grossverteiler bzw. die Industrie darstellen, ist Palmöl keineswegs. Vor allem im Lebensmittelbereich gibt es einheimische Pflanzenöle als Alternativen, die weniger Landkonflikte und Waldrodungen bedeuten. Wer sich genauer damit befasst, findet in fast allen Bereichen Kleinbetriebe, die palmölfreie Produkte auf den Markt bringen. Was die Kleinen können, sollte auch für die Grossen kein Problem sein. Dazu braucht es jedoch den Druck der Konsumentinnen und Konsumenten.

Danke, dass auch Sie sich für die Menschenrechte stark machen.

 

Unterschreiben auch Sie die Petition gegen weniger Palmöl Produkte in unseren Supermärkten!

Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Im westafrikanischen Benin ist Palmöl ein wesentliches Element der lokalen Küche und die Palmen werden auch für andere Produkte verwendet. Ein Beispiel dafür, dass es durchaus Alternativen zum Anbau auf riesigen Monokulturen gibt.

 

«Es ist eigentlich eine Verschwendung, die Ölpalme nur für Speiseöl zu verwerten», sagt Simon Bodea, der in Abomey, Benin, einen biologischen Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut hat und betreibt.

Bodea ist der ehemalige Generalsekretär von Synergie Paysanne, einer Partnerorganisation von HEKS, die sich für die Anliegen und Rechte der Kleinbauernfamilien engagiert. Stolz führt der Biopionier durch die Versuchsanlage und zählt die Gaben der Ölpflanze auf: Feuerholz und Möbel oder auch ein vorzüglicher Schnaps lassen sich aus dem Stamm herstellen. Aus der Wurzel kann Medizin und aus der Asche eine hautfreundliche Seife produziert werden.

Nichtsdestotrotz bleibt das Speiseöl, das aus den üppigen Fruchttrauben gewonnen wird, das Hauptprodukt.

Eine Kleinbäuerin in Benin bei der traditionellen Palmölverarbeitung. Für viele ist der Verkauf des Palmöls eine wichtige Einkommensquelle.

Lokal fest verankert

Die Gewinnung des Palmöls hat in Benin eine lange Tradition, und es sind vor allem Frauengruppen, die die Gaben der Ölpalme nutzen: Im Süden des Landes wachsen die Palmen wild zwischen den Höfen.

Die Frauen sammeln die Trauben und legen die roten Früchte zwei Tage lang in Wasser ein. Dann schöpfen sie aus dem öligen Wasser eine Art Rahm, den sie auf dem Feuer erhitzen und einkochen, bis nur noch das rote rohe Palmöl übrig bleibt. Das traditionelle Palmöl ist keineswegs ein Nischenprodukt.

Die Frauen verkaufen es überall auf Märkten und an Strassenrändern. Die Nachfrage lässt sich damit weitgehend abdecken. Für die Kleinbauernfamilien ist das Palmöl eine wichtige Einnahmequelle und gibt vor allem den Frauen eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit.

Ausgeklügelte Mischkultur

Wäre es für die Kleinbauernfamilien möglich, die Herstellung des ökologischen Palmöls zu vergrössern und zu exportieren? Simon Bodea ist sich dessen sicher. «Der biologische Anbau von Ölpalmen eignet sich nicht nur für den Gemüsegarten.»

Stolz führt er durch seine drei Hektar grosse Versuchsplantage: Hier pflanzt er Ölpalmen zusammen mit Bohnen an, die unter dem Blätterdach gut gedeihen. Die Bohnen werden von Hühnern gefressen, deren Mist wiederum die Plantage düngt. Mit Mulch und Wassergräben speichert er die Feuchtigkeit.

Mit seinen Techniken erreicht Bodea ähnliche Erträge wie industrielle Palmölplantagen – und das komplett ohne Dünger und Pestizide, eingebettet in einen ökologischen Kreislauf.

Eines jedoch ist klar: Der gewaltige Hunger nach Palmöl in den Industrieländern könnte damit nicht gedeckt werden. Denn auch diese täten gut daran, wieder vermehrt auf das zu setzen, was bei ihnen vor der Haustüre wächst und gedeiht.

Unterschreibe die Petition gegen weniger Palmöl Produkte in unseren Supermärkten!

Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Eine Palmölmühle direkt auf den heiligen Palotro Hill, eine wichtige Kultstätte, missachtete Richtlinien und Verhaftung, wer sich dem Ölpalmkonzern in den Weg stellt:  Von nachhaltig angebautem Palmöl (RSPO) hat die indigene Gruppe der Blogbo in Liberia bislang nichts bemerkt – im Gegenteil. Vieles ist für sie traurige Realität geworden.

 

«Wirtschaftlicher Aufschwung durch nachhaltig hergestelltes Palmöl», so preist der liberianische Ölpalmkonzern Golden Veroleum Liberia (GVL) seine Tätigkeiten an.

 

GVL gehört zur indonesischen Golden Agri-Resources, zweitgrösster Palmölproduzent weltweit. Beide sind Mitglied des Runden Tisches für nachhaltig angebautes Palmöl (RSPO), einer Initiative, die seit 2004 verspricht, nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern. Davon hat die indigene Gruppe der Blogbo, die im Konzessionsgebiet von GVL lebt, bislang nichts bemerkt – im Gegenteil: Zerstörte Felder und Wälder, verschmutztes Wasser und Gewalt sind für sie inzwischen traurige Realität.

 

«Das Leben hier ist unerträglich geworden. Unsere Felder und Wälder wurden uns weggenommen und in Ölpalmplantagen umgewandelt», sagt Lee Swroh, ein Angehöriger der Blogbo. «Wir haben keine Wälder mehr, um Medizinalpflanzen und Bedachungsmaterial zu sammeln und Tiere zu jagen. Damit fehlen uns jetzt wichtige Einkommensquellen, die es uns ermöglicht haben, unsere Kinder in die Schule zu schicken und andere Grundbedürfnisse zu decken.»

 

Simpson Snoh und Lee Swroh wehren sich gegen das Vorgehen von Golden Veroleum.
 

Illegale Konzessionsvergabe

 

Das 2010 lancierte Palmölprojekt von GVL umfasst 260 km², was fast der Fläche des Kantons Nidwalden entspricht. Ohne Einbezug der Bevölkerung erhielt GVL von der Regierung eine Konzession für 65 Jahre und begann damit, Ölpalmplantagen und Verarbeitungsanlagen zu errichten.

 

«Die Regierung hat dafür gar keine rechtliche Grundlage. Sie verstösst gegen das Gesetz über öffentliches Land», betont Lee Swroh. «Unsere Leute sind die legitimen Besitzer dieses Landes.

 

Unsere Ahnen haben sich hier niedergelassen, lange bevor es eine Regierung gab. Eigentlich wäre es ihre Aufgabe, unsere Rechte zu schützen und nicht, unsere Grundrechte verletzen.» Das Management von Golden Veroleum weist die Kritik zurück. GVL habe die Bevölkerung konsultiert und bringe Entwicklung in die Region, heisst es.

 

In mehreren Etappen sollen Plantagen angelegt und schliesslich die grösste Palmölfabrik Afrikas erstellt werden. Ein Viertel des Konzessionsgebietes ist bereits mit Ölpalmen bepflanzt. Werden auch die geplanten Verarbeitungsbetriebe gebaut, sollen laut den Versprechen des Unternehmens bis zu 40 000 Arbeitsplätze entstehen. Heute beschäftigt GVL nach eigenen Angaben 3600 Personen.

 

 

Unrechtmässig inhaftiert

 

Tatsächlich hat GVL gegenüber der Bevölkerung bislang wenig Fingerspitzengefühl gezeigt. So baute GVL unter anderem eine Palmölmühle direkt auf den heiligen Palotro Hill, eine wichtige Kultstätte der Blogbo. «Das hat die Bevölkerung sehr verletzt, denn der spirituelle Ort wurde immer noch aufgesucht», sagt Swroh. Trotz der Proteste der Bevölkerung wolle GVL auch die im Endausbau 16-mal grössere neue Mühle auf dem Palotro Hill betreiben. «Die Firmenleitung weigert sich auch hier, mit uns zu sprechen und auf unsere Probleme einzugehen», sagt Swroh.

 

 

Wer sich gegen GVL und ihr Land Grabbing wehrt, lebt gefährlich. Schon mehrmals wurden Menschen verhaftet und Opfer von Gewalt. Einer davon ist Simpson Snoh, Anführer der Bewegung Blogboteh, die sich gegen GVL und ihre Plantagen wehrt. Mit Handschellen gefesselt wurden Snoh und drei weitere Männer ins Gefängnis der Provinzhauptstadt Greenville gebracht und lange festgehalten. «Ohne Anklage, obwohl das verboten ist», sagt er.

 

Verhaftet wurden sie, als sie mit einem Team von Global Witness Landflächen  der Blogbo besuchten, um zu prüfen, ob GVL geschützten Wald ohne Genehmigung und ohne Einverständnis der Bevölkerung abgeholzt hatte. Später wurden die drei Männer freigelassen. Eine Anklage oder eine Gerichtsverhandlung gegen die Sicherheitsleute von GVL und die Polizisten gab es nie.

 

«Wir Blogbo sind friedliche Menschen. Wir wollen ohne Gewalt erreichen, dass wir auch weiterhin das Land unserer Ahnen bearbeiten können», sagt Lee Swroh. Und Simpson Snoh unterstreicht, dass sich Blogbo-teh «nicht grundsätzlich gegen die Firma stellt, sondern dagegen, dass deren Vorgehen und die Inhalte der Konzession gegen unsere Grundrechte verstossen».

Auch in anderen Teilen des Konzessionsgebiets wurden Protestierende verhaftet und kriminalisiert, wie ein Bericht von Global Witness von Oktober 2016 belegt. Für Fred Thompson aus dem Butaw-Bezirk endete die Festnahme gar tödlich. Der junge Mann beteiligte sich an einem Protest vor dem Gebäude von GVL. Er und zwanzig weitere Männer wurden durch die schnelle Einsatztruppe der Nationalpolizei verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, wo er an den Folgen der Übergriffe starb. Der schwer bewaffneten Einsatztruppe der Polizei zahlt GVL laut Global Witness Unterkunft und Essen.

 

 

Bevölkerung übergangen

 

Die Zustände und Vorkommnisse verstossen nicht nur gegen liberianisches Recht, sondern auch gegen die RSPO-Richtlinien. Diese verpflichten die Unternehmen dazu, die lokale Bevölkerung frühzeitig zu konsultieren und ihre Anliegen einzubeziehen. Da dies offensichtlich nicht der Fall war, haben Simpson Snoh und seine Mitstreiter bei RSPO Klage eingereicht.

 

«RSPO sandte daraufhin ein Untersuchungsteam und wir zeigten ihnen alle Beweise, die unsere Anklage untermauern.» Als Folge hielt RSPO GVL dazu an, ihre Plantagen nicht weiter auszudehnen, auf den Ausbau der grossen Mühle zu verzichten und das Gespräch mit der Bevölkerung zu suchen. «Doch GVL hat sich nicht an die Vorgaben von RSPO gehalten», sagt Lee Swroh enttäuscht. Demnächst soll ein weiterer RSPO-Bericht erscheinen, der eine Klage gegen GVL im Distrikt Tarjuowon untersucht. Doch solange der RSPO-Standard freiwillig bleibt, werden wohl auch diesen Worten keine Taten folgen.

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Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Der Palmölkonsum hat in den letzten Jahren rasant zugenommen und damit auch die negativen Folgen des grossflächigen Ölpalmanbaus. Auch der Versuch, Palmöl-Monokulturen nachhaltig zu betreiben, ist bis anhin nicht gelungen.

 

Palmöl ist das meistkonsumierte Pflanzenöl weltweit. Dabei wird heute doppelt so viel Palmöl verbraucht wie noch vor 15 Jahren – mit verheerenden Folgen für die Menschen aus Zentralamerika, Westafrika und Südostasien, wo die Ölpalmen auf riesigen Plantagen angebaut werden.

Trotz der massiven Kritik, die Betroffene, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen seit Jahren formulieren und mit zahlreichen Studien belegen, scheint Palmöl in der Lebensmittel-, Kosmetik und Reinigungsmittelindustrie beinah alternativlos. Warum?

Guetzli, Kekse, Chips

Palmöl ist ein vielseitig einsetzbarer Rohstoff: Ob Guetzli, Pizza, Shampoo oder Kerzen, Palmöl ist überall. Das Öl ist lange haltbar, kann bei unterschiedlichen Temperaturen verarbeitet werden und ist fast geruchsfrei. Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen ist die Ölpalme auch äusserst ertragreich.

So können auf einem Hektar 3,3 Tonnen Palmöl produziert werden, hingegen nur 0,7 Tonnen Kokos-, Sonnenblumen- oder Rapsöl. Das ist ein Grund, warum Palmöl auf dem Weltmarkt so konkurrenzlos billig ist.

Wer aus der hohen Flächeneffizienz jedoch schliesst, Palmöl sei deswegen besonders nachhaltig, irrt gewaltig. Ölpalmen gedeihen nur in tropischen Regionen gut, denn sie brauchen Hitze und regelmässig viel Regen. Der tropische Gürtel um den Äquator ist jedoch just das Gebiet, in dem Regenwälder mit einer hohen Biodiversität gedeihen und als CO2-Speicher eine lebenswichtige Rolle spielen. Und wo indigene Völker im und vom Wald leben und Menschen das üppige Buschland seit jeher nachhaltig für ihren Lebensunterhalt nutzen.

300 Fussballfelder pro Stunde

Vor über 100 Jahren haben europäische Kolonialregierungen das Öl der eigentlich in Westafrika heimischen Palme als Rohstoff für die industrielle Konsumgüterproduktion entdeckt. Sie haben vor allem in Südostasien grossflächige Plantagen angelegt, die dort lebenden Menschen vertrieben und den Wald gerodet. Das hat sich bis heute kaum geändert.

Für Ölpalmplantagen in Asien wird heute stündlich die Fläche von rund 300 Fussballfeldern gerodet. Und noch immer werden Landrechte missachtet und das Land von Regierungseliten zu Tiefstpreisen an Palmölkonzerne verkauft oder verpachtet.

Dass das Land so billig zu haben ist und den Plantagenarbeitenden nur sehr niedrige Löhne gezahlt werden müssen, sind weitere Gründe, weshalb kein anderes Pflanzenöl so begehrt ist wie Palmöl. Hinter dem Boom steht zunächst die Zunahme industriell gefertigter Nahrungsmittel in Europa und Nordamerika seit den 1960er-Jahren und seit den 1990er-Jahren auch in den Schwellenländern wie China, Indien oder Mexico.

Und schliesslich hat die Förderung von Agrotreibstoffen in der EU die Nachfrage nach Palmöl nochmals kräftig erhöht. Von den weltweit jährlich rund 50 Millionen Tonnen Palmöl werden über fünf Millionen Tonnen in Europa verbraucht.

Alleine der Schweizer Konzern Nestlé kaufte im Jahr 2015 gemäss eigenen Angaben rund 420 000 Tonnen Palmöl– knapp ein Prozent der globalen Produktion.

Rund 85 Prozent der globalen Palmölproduktion kommen aus Indonesien und Malaysia. Weil dort eine weitere Ausdehnung zunehmend schwieriger wird – auch angesichts der massiven Kritik – suchen die Palmölkonzerne nach neuen Expansionsmöglichkeiten in Afrika und Lateinamerika. Der steigende Palmölkonsum ist damit zu einer der wichtigsten Ursachen für Land Grabbing in diesen Ländern geworden.

Kein nachhaltiges Palmöl

Dass die Produktion von Palmöl massive Probleme mit sich bringt, wissen auch die Firmen, die damit handeln, es verarbeiten und Palmölprodukte verkaufen. Deshalb haben sie vor bald 15 Jahren den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) gegründet. Ziel war, den Sektor so zu verändern, dass Mensch und Umwelt nicht mehr zu Schaden kommen.

Einige Schweizer Akteure waren von Anfang an massgeblich am RSPO beteiligt und tatsächlich ist heute der Grossteil der Palmölimporte in die Schweiz RSPO-zertifiziert. Doch den Beweis, dass Palmöl wirklich nachhaltig produziert werden kann, bleibt der RSPO bisher schuldig. Illegale Rodungen, Landkonflikte und Missachtung der Arbeitsrechte werden auch auf RSPO-zertifizierten Plantagen nachgewiesen. Wirkungsvolle Sanktionsmechanismen sieht der auf Freiwilligkeit beruhende RSPO nicht vor und die von Land Grabbing betroffenen Dorfgemeinschaften erhalten ihr Land nicht zurück.

Doch ist Palmöl wirklich so unverzichtbar?

Vor allem im Lebensmittelbereich gibt es mit einheimischen Pflanzenölen gute Alternativen. Dass es sogar ohne Palmöl geht, zeigen die Supermarktkette Coop Italia oder der italienische Nahrungsmittelkonzern Barilla. Beide Unternehmen haben im letzten Jahr die Rezepte von 200 bzw. 150 Produkten umgestellt und Palmöl ersetzt. Nun gilt es, Raps-, Sonnenblumenöl oder andere Pflanzenöle ökologischer als bisher zu produzieren, um wirklich nachhaltige Alternativen zu Palmöl zu entwickeln.

Diesen Artikel finden Sie auch in unserem aktuellen Dossier zum Magazin «Perspektiven» »

 

Unterschreibe die Petition gegen weniger Palmöl Produkte in unseren Supermärkten!

Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Bern/Luzern, 4. September 2017 – Das enorme Wachstum der Palmölindustrie führt zu Land Grabbing. Bei der Anlage der Plantagen werden Rechte der Menschen verletzt und Lebensräume zerstört. Nachhaltigkeit bei Palmöl gibt es nicht, auch nicht im Rahmen des Standards RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl). Darum fordern HEKS und Fastenaktion die Schweizer Detailhändler und Hersteller auf, weniger Palmöl zu verwenden.

Weltweit sind bereits über 190 000 Quadratkilometer Regenwald und Torfgebiete für Ölpalm-Plantagen verschwunden, mehr als viereinhalb Mal die Fläche der Schweiz. Der lokalen Bevölkerung fehlt damit die Lebensgrundlage. Getrieben wird die Entwicklung vom Verbrauch an Palmöl für Nahrungsmittel, Reinigungsmittel und Kosmetika, im Ausland auch für Treibstoff.

Allein für die Schweiz zeigt die Zollstatistik, dass sich die Einfuhr von unverarbeitetem Palmöl in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdreifacht hat. Zusätzlich werden ähnlich grosse Mengen Palmöl als verarbeitete Produkte eingeführt, wie in einer Analyse des Bundesamtes für Umwelt bereits 2015 ausgeführt wurde. Nach Auskunft der Schweizer Detailhändler und der Verarbeiter steckt heute in rund jedem sechsten Produkt in den Läden Palmöl. HEKS und Fastenaktion fordern darum von den Schweizer Grossverteilern, den Verbrauch von Palmöl zu reduzieren.

Menschenrechte verletzt – trotz Nachhaltigkeitszertifikat

Nichtregierungsorganisationen weisen seit längerem auf die gravierenden Folgen des Anbaus von Ölpalmen hin. Die FAO, die Landwirtschaftsorganisation der Uno, bezeichnet die Ausdehnung der Ölpalmplantagen als eine der wichtigsten Ursachen für Abholzung. In Indonesien wachsen heute Ölpalmen auf mehr als der Hälfte der Fläche, wo sich vor wenigen Jahren noch vielfältiger Regenwald befand.

Als Reaktion wurde vor rund 15 Jahren die Organisation «Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl» (englisch RSPO) ins Leben gerufen. Dieser Standard für Plantagenbetreiber, Händler und Verarbeiter sollte sicherstellen, dass die Mitsprache und die Rechte der Menschen in den Anbaugebieten in den Tropen gewahrt bleiben. Doch die Realität ist anders, wie das Beispiel Indonesien zeigt.

Für das Jahr 2013 registrierte das Nationale Landbüro 3000 Landkonflikte zwischen Palmölkonzernen, darunter zahlreichen RSPO-Mitglieder, und lokalen Gemeinschaften.

Ein Beispiel: Auf vier zertifizierten Plantagen der indonesischen DSN Dharma Satya Nusantara-Gruppe – seit 2012 RSPO-Mitglied – wurden gravierende Probleme festgestellt: Die betroffenen Gemeinden wurden nicht oder nur unzureichend über die Landvergabe an den Konzern informiert und konsultiert; für die Bevölkerung wurde der Zugang zu ihren Feldern eingeschränkt; Primärwaldgebiete sind durch die Aktivitäten des Konzerns bedroht; die Wassermenge und -qualität der Flüsse hat sich massiv verschlechtert; es herrschen Unklarheiten über Höhe und Umfang der Entschädigungszahlungen.

Mehr «Greenwashing» als spürbare Verbesserungen

«Wir stellen keinen Unterschied zwischen RSPO-zertifizierten Plantagen und anderen fest», sagt dazu Anton Widjaya, Direktor von Walhi Westkalimantan. Weitere Recherchen von Walhi, einer Partnerorganisation von HEKS in Indonesien, zeigen, dass «RSPO-zertifizierte Unternehmen in den Regionen Kapuas Hulu and Sintang grundlegende RSPO-Regeln verletzt haben»: Im Einzelnen ergaben die Besuche in den Dörfern, dass die Bevölkerung nicht frühzeitig und umfassend informiert wurde und frei über geplante Projekte auf ihrem Boden entscheiden konnte. Weiter wurden Plantagen direkt an Flüssen und in geschütztem Wald angelegt oder an Steilhängen ohne Terrassierung zum Schutz gegen Erosion.

Fazit für Anton Widjaya: «RSPO ist vorwiegend «Greenwashing» zur Beruhigung der Gewissen der Käufer und Verarbeiter von Palmöl in Europa und ebenso der beteiligten Banken und Finanzinstitute».

Aufruf für weniger Verbrauch

15 Jahre RSPO bremsten auch die Zunahme der Plantagenflächen kaum: 2014 erreichte die Fläche von Ölpalmplantagen 19,7 Millionen Hektaren (197 000 Quadratkilometer), rund die Hälfte mehr als bei der Gründung des Standards RSPO. Dahinter stecken finanzielle Interessen grosser Finanzinvestoren, auch aus der Schweiz, wie Fastenaktion und HEKS in einer Recherche im Frühjahr 2017 belegt haben. Erst ein sinkender Verbrauch bringt weniger Druck auf die Menschen und die Umwelt. Deshalb fordern die Werke HEKS und Fastenaktion die Schweizer Grossverteiler auf, weniger Palmöl zu verwenden Und die Konsumentinnen und Konsumenten sind aufgerufen, den Aufruf mit dieser Forderung zu unterstützen.

Weitere Informationen:

Medien: Urs Walter, 079 489 38 24

Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik, HEKS, Mail, 031 380 65 72

 

Faktenblätter

Alvaro Ramazzini mit einem Strauss Rosen in den Händen

«Guatemala ist ein reiches Land, die Menschen aber sind dennoch arm». Das sagt Alvaro Ramazzini, Bischof und Menschenrechtsaktivist, der mit uns zusammenarbeitet. Seit 35 Jahren setzt er sich für die Rechte der guatemaltekischen Bevölkerung ein. Setzt alles daran, dass die Menschen in Würde ein gutes Leben führen können.

Obwohl ein Grossteil des Landes auf der Halbinsel Yucatan fruchtbar ist, leiden insbesondere die Maya-Gemeinschaften unter grosser Armut. Bergbau- und Wasserkraftprojekte, Monokulturen von Ölpalmen, Zuckerrohr oder Gemüse gefährden die Umwelt und verschlechtern ihre Lebensbedingungen zunehmend. Doch gerade Land ist für die Maya Dreh- und Angelpunkt ihrer Kultur.

 

Bischof Alvaro Ramazzini erzählt, um die Situation im Land zu beschreiben, von einem Wasserkraftwerk, das im Norden des Landes gebaut werden soll. Doch die Bewohner des Landstriches werden nicht etwa miteinbezogen oder können ihre Bedürfnisse formulieren, sie werden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. «Die Baufirma fährt mit ihren Maschinen auf. Das Land haben sie vom Staat erworben. Künftig werden sie das Wasser aus dem Fluss brauchen und verschmutzen. Das Wasser aber ist Lebensgrundlage für die Menschen, die dort wohnen. Die Bevölkerung fühlt sich missbraucht, dagegen formiert sich Widerstand.»

 

Das ist nur eines der Beispiele, die Bischof Ramazzini anlässlich seines Besuches in der Schweiz erzählt. Auf der Zugfahrt von Zürich nach Bern, wo er einen Vortrag zu der Menschenrechtssituation in Guatemala halten wird, schaut er immer wieder aus dem Fenster und ist beeindruckt von Landschaft, Flüssen und Bergen. «Guatemala ist auch ein reiches Land, aber im Gegensatz zur Schweiz sind seine Bewohner arm.»

Eingeschränkte politische Rechte

 

Ramazzini lächelt sanft und erzählt mit ruhiger Stimme von den Aktivisten, die in Santa Cruz Barillias gegen dieses Wasserkraftwerk protestiert haben und dass dabei eine Person starb. Er erwähnt Aktivisten, die im Justizzentrum von Santa Ulalia auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam machen wollten. Einer der Anführer wurde angeklagt und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. «Das ist das legale politische System von Guatemala. Ungerechtigkeit und Einschüchterung herrschen vor. Der Bürger darf sich nicht für seine Interessen einsetzen. Die Wirtschaft hat sämtliche Freiheiten, während die Bevölkerung leidet.»

In Workshops lernen die Maya ihre Rechte kennen. Bild: Alicia Medina/ Fastenopfer

Dennoch sieht er auch eine vorsichtig positive Entwicklung seit den 30 Jahren, in denen er aktiv ist und sich unermüdlich für die Menschenrechte in seinem Heimatland einsetzt. Er anerkennt, dass die Regierung etwas durchlässiger geworden ist. Bei der Bevölkerung ist die Erkenntnis darüber, was Ungerechtigkeit ist, gewachsen und damit auch das Verständnis – oder besser gesagt – der Mut, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Auch hier unterstützen Fastenaktion und HEKS Projekte, die unter anderem Rechtsberatung und Workshops in Menschenrechtsarbeit anbieten. 

 

Dennoch hat sich die Situation Guatemalas in den letzten Jahren erneut verschlechtert. Die Menschen sind ärmer geworden, die Arbeitslosigkeit gestiegen und die Jugend sieht für sich nur wenige Chancen. So migrieren viele von ihnen in die USA und hoffen, dort Geld zu verdienen, nicht zuletzt um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen. 

 

Dazu hat Bischof Ramazzini ganz klare Forderungen. «Wir müssen uns für unsere jungen Menschen einsetzen. Es braucht dringend eine Reform des Bildungsgesetzes. Zudem müssen die Defizite im Gesundheitswesen behoben werden. Es kann nicht sein, dass die Menschen keine ärztliche Betreuung bekommen und die Pharmaunternehmen ihre Produkte zu überteuerten Preisen anbieten, die sich der Grossteil der Bevölkerung nicht leisten kann».

 

Der Bischof und Konrad-Lorenz-Preisträger wird nicht müde, auf die unhaltbaren Zustände in seinem Land aufmerksam zu machen. Denn er ist überzeugt, dass er mit seinen Vorträgen, seinen Treffen mit Politikern und seinem unermüdlichen Einsatz Gleichgesinnte erreicht. Und kurz vor der Ankunft in Bern fügt er noch hinzu: «Ich bin überzeugt, dass wir die Solidarität globalisieren müssen, um der Wirtschaftsglobalisierung, die viele negative Auswirkungen hat, gemeinsam etwas Positives entgegenzusetzen.»

 

– Colette Kalt

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Abschluss der Ökumenischen Kampagne 2017

Bern/Luzern, 17. April 2017. – Land muss dem Leben dienen und nicht dem Profit, so die zentrale Aussage der diesjährigen Ökumenischen Kampagne der drei Entwicklungsorganisationen HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Den Menschen darf nicht der Boden unter den Füssen weggezogen werden. Schweizweit fand das Anliegen in vielfältiger Weise Unterstützung.

Kaufen Investoren Land und legen grosse Plantagen an, verlieren die Bauern und Bäuerinnen den Zugang zu Land. Dabei ernährt die bäuerliche Landwirtschaft die Welt.

Die Familienbetriebe stellen 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion sicher. Über 80 Prozent der ländlichen Bevölkerung in Entwicklungsländern hängen direkt von dieser kleinbäuerlichen Landwirtschaft ab. Diese Ernährungsbasis geht verloren, wenn zum Beispiel in Indonesien riesige Flächen gerodet und mit Ölpalmen bepflanzt werden, bei deren Finanzierung auch Schweizer Banken beteiligt sind. Solche Geschäfte sollen aufgegeben werden, fordern die drei Werke Fastenaktion, HEKS und Partner sein, denn «Land muss dem Leben dienen und nicht dem Profit».

Die anlässlich der Ökumenischen Kampagne lancierte Aktion „Neuland, geraubtes Land sichtbar machen“ stiess in Pfarreien und Kirchgemeinden auf grosses Interesse. Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben in der ganzen Schweiz in vielen Paletten gesät und gepflanzt. Entstanden ist ein buntes, vielfältiges Zeichen gegen den Verlust an fruchtbarem Land, das noch lange über die Kampagne hinaus sichtbar sein wird.

Die Kampagnengäste Kartini Samon aus Indonesien, Mitarbeiterin von GRAIN, Lali Naidoo, Direktorin der südafrikanischen Organisation ECARP, und Mamy Rakotondrainibe, Madagaskar, vom Collectif pour la défense des terres malgaches (TANY), waren vielgefragte Rednerinnen. Sie gaben dem Thema Land Grabbing ein Gesicht und leisteten mit ihren Berichten aus Indonesien, Südafrika und Madagaskar wichtige Sensibilisierungsarbeit.

Aktionen wie die Suppentage, „Brot zum Teilen“, die zahlreichen Fastengruppen, das Inputtheater „Gier“ oder der Rosenverkauf an rund 400 Standorten in der ganzen Schweiz, fanden grossen Zuspruch.

Als Neuheit wurde zusätzlich eine App konzipiert, mit der auch noch nach dem Ende der Ökumenischen Kampagne 2017 eine „digitale Rose“ verschenkt werden kann. Diese Solidarität und viele Spenden stärken die Projektarbeit der Werke im Süden und im Norden. Bischof Alvaro Ramazzini, Menschenrechtsaktivist aus Guatemala, zeigte sich von der Rosenaktion begeistert.

«Indem ich einer mir lieben Person eine Rose schenke, helfe ich einer anderen Person. Auch wenn diese Person und ich uns wahrscheinlich nie begegnen werden, kreuzen sich unsere Wege, das kreiert einen besonderen Moment.» – Bischof Alvaro Ramazzini

Der Dank von Bischof Alvaro Ramazzini richtet sich an die vielen Menschen in den Pfarreien und Kirchgemeinden, die mit ihrem Engagement und ihrer tatkräftigen Unterstützung die Ökumenische Kampagne 2017 zum Erfolg machten. Das brachte auch umfangreiche Spenden für die Projektarbeit der drei Entwicklungsorganisationen. Dank dieser Solidarität können HEKS, Fastenaktion und Partner sein ihre Partnerorganisationen im Süden unterstützen. Denn wie Lali Naidoo es formulierte: „Land Grabbing geht uns alle an. Deshalb ist die Kampagne so wichtig, denn erst wenn die Menschen wissen, was in den Ländern des Südens geschieht, können wir gemeinsam etwas dagegen unternehmen.“

Weitere Informationen: Colette Kalt, Fastenaktion, Kommunikationsverantwortliche,

079 352 38 04

Für Medien:

www.sehen-und–handeln.ch/medien

(www.sehen-und-handeln.ch/bilder)

Die Ökumenische Kampagne: Informieren, Handlungsmöglichkeiten zeigen, Spenden sammeln: Seit 1969 arbeiten HEKS, die Entwicklungsorganisation der Evangelischen Kirchen der Schweiz, und Fastenaktion, das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken, zusammen. Die Ökumenische Kampagne während der Fasten- oder Passionszeit ist zum Inbegriff der gelebten Solidarität und der ökumenischen Partnerschaft geworden. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Jedes Jahr bringen die Werke gemeinsam ein entwicklungspolitisches Thema an die breite Öffentlichkeit. www.sehen-und-handeln.ch

Im Departement Indre in Frankreich haben chinesische Investoren Land gekauft, um «Brot à la française» für den chinesischen Markt herzustellen.

14 Prozent aller Land-Grabbing-Fälle betreffen Europa. In Frankreich etwa haben chinesische Investoren jüngst 1700 Hektar Land gekauft.

 Von Isolda Agazzi (Alliance Sud)

«Die Chinesen wollen bei uns Mehl produzieren, um in China Bäckereien ‹à la Française› zu eröffnen», empört sich Michel Apostolo, Leiter der Landkommission des nationalen Bauernverbandes. 2015 und 2016 kauften die Unternehmen HongYang und Beijing Reward International Trade sowie zwei chinesische Privatpersonen 1700 Hektar Land im französischen Departement Indre. Der Verkaufspreis lag mit geschätzten 10 000 Euro pro Hektar weit höher als die üblichen 4000 Euro.

Der chinesische Landkauf hat in Frankreich hohe mediale Wellen geworfen. Dabei kaufen europäische Investoren in Frankreich seit Jahren Land (zu einem höheren Preis als dem Marktpreis), bewirtschaften es eine Weile wenig ertragreich und verkaufen es schliesslich mit Gewinn weiter. Und es gibt auch französische Investoren, die den Boden für sich entdeckt haben, wie etwa der Bauunternehmer, der einen 3000-Hektar-Hof mit 1000 Kühen in der Picardie kaufte. Der Trend, dass immer mehr Investoren und Finanzgesellschaften Land an sich reissen, macht auch vor Frankreich nicht halt.

Doch was bedeutet Land Grabbing in einem Land, in dem Grundeigentum klar geregelt ist? Michel Apostolo sagt es in seinen Worten: «Es bedeutet, Land seinem Zweck zu entfremden, nämlich der Ernährung der lokalen Bevölkerung. Das geschieht, wenn ausländische Investoren Land kaufen, bewirtschaften und die Erträge exportieren. Aber auch, wenn französische Investoren einfach die Landnutzung ändern. Frankreich verliert jedes Jahr 70 000 bis 80 000 Hektar Landwirtschaftsland, weil darauf Hochgeschwindigkeitsstrecken, Gewerbeflächen oder Agrotreibstoffe angebaut werden.»

Die bestehende Gesetzgebung zu umgehen, ist einfach. Wer in Frankreich Land verkaufen will, muss lediglich eine landwirtschaftliche Gesellschaft gründen und nur einen Teil zum Verkauf anbieten. Denn SAFER, eine dem Ministerium für Landwirtschaft angeschlossene Behörde, besitzt zwar ein Vorkaufsrecht mit dem Zweck, die Nutzung von Landwirtschaftsland zu erhalten. Sie kann das Land aber nur dann anstelle eines Investors kaufen, wenn alle Anteile einer Gesellschaft zum Verkauf stehen. «Der Landwirtschaftsminister wurde überrumpelt», sagt Michel Apostolo. «Deshalb ist nun ein neues Gesetz in Vorbereitung, das SAFER ein Vorkaufsrecht auf allen landwirtschaftliche Flächen einräumt.» Gemäss den Statistiken der Land Matrix betreffen 14 Prozent der Land-Grabbing-Fälle Europa. Am meisten betroffen sind die Länder Osteuropas gefolgt von Frankreich, Italien und Spanien.


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen Dossier zum Thema Land Grabbing. Sie finden dieses auf www.sehen-und-handeln.ch/publikationen.

Niemand im Dorf hatte die Vertreibung einst miterlebt. Dennoch lebt der Wunsch in den Menschen weiter, zurückzukehren auf das Land der Ahnen. Eine aussergewöhnliche Geschichte aus Südafrika über die Arbeit der Fastenaktion zur Ökumenischen Kampagne.

Diese Geschichte beginnt 1879, zur Zeit des Zulukriegs, als in Südafrika die Briten die Zulus besiegten. Als kurz darauf die weissen Siedler auftauchten und den Boden mit ihren Pflügen bestellen wollten, vertrieben sie zusammen mit der Armee die ansässige Bevölkerung von ihrem angestammten Land. Zu den Betroffenen gehörten auch die Vorfahren von Mthokozi Buthelezi*.

Buthelezi ist heute 91 Jahre alt. Sein Wort hat im Dorf immer noch Gewicht. Denn Buthelezi ist der Häuptling von Makhasaneni, der seine Zuhörer gerne zwischendurch mit einem Spässchen aufheitert. Um gleich darauf seine Stirn in Falten zu legen und mit ernster Mine weiter zu fahren. Hier am neuen Ort sei das Leben ungleich schwerer. Die Hügel sind zu steil, um es mit dem Pflug zu bearbeiten. „Makhasaneni“ heisst denn auch in der Sprache der Zulu „Ort, wo man auf allen vieren kriechen muss“. Das Schicksal der Vertriebenen war somit besiegelt: „Ohne fruchtbaren Boden sind wir abhängig von den Farmern, die uns vertrieben haben.“ Er sagt dies ohne Groll, aber bestimmt.

In Makhasaneni gibt es kaum Erwerbsmöglichkeiten. Die Menschen sind arm. Buthelezis Familie bildet trotz seines Status keine Ausnahme. Er besitzt zwar 16 Kühe und 5 Ziegen. Und auf dem kleinen Feld wächst etwas Mais, Yams, Kartoffeln und Kürbis. „Aber dieses Jahr war zu trocken und die Ernte sehr schlecht.“ Und so hängen die 17 Personen in seinem Haushalt von den beiden bescheidenen Pensionen von ihm und seiner Frau ab.

Die Vertreibung ist für die Menschen hier doppelt fatal: „Der Boden ist zentral für die Ernährung. Mindestens ebenso wichtig ist seine spirituelle Bedeutung“, erklärt Buthelezi. Wenn die Menschen hier nicht weiter wissen, gehen sie zum Ort, wo ihre Vorfahren begraben liegen und fragen sie um Rat. „Es schmerzt sehr, die Gräber zurückzulassen. Plötzlich ist dieser Ort nicht mehr zugänglich. Physisch sind wir zwar hier, aber unsere Herzen sind immer noch am alten Ort“, sagt Buthelezi.

Das Risiko der Jungen

Heute ist ein spezieller Tag für Buthelezi. Zusammen mit dem Besucher aus der Schweiz fährt er auf das Land seiner Vorfahren. Es ist ein bewegender Moment. Vorbei an Feldern, auf denen nur noch Baumstrunke an die vor Kurzem gerodete Baumplantage erinnert. Auf einer Wiese stehen ein paar unscheinbare Bäume dicht nebeneinander. Zwischen ihnen zeugen einzig ein paar verstreute Felsbrocken von den Gräbern der Vorfahren.

 

Buthelezi geht weiter über den sanften Hügel. Er weiss genau, wo einst das Gehöft seiner Familie stand. Heute ist da nur noch halbhohes, dürres Gras. „Ich fühle den Schmerz in meinem Leben. Denn die Menschen, die von hier vertrieben wurden, sind die Menschen die ich sehr mochte. Und ich mag sie noch immer, jetzt, da sie tot sind.“, sagt er. Deshalb setze er sich für die Kinder ein. „Damit sie bekommen, worauf sie ein Anrecht haben“. Diese haben nun das Heft selber in die Hand genommen.

Zu Ihnen gehört Leon Buthelezi, ein Neffe des Häuptlings. Er und seine Freunde brachten eines Nachts, ohne Wissen der Eltern, jeder zehn Kühe der eigenen Familie mit. Die Herde von 100 Stück Vieh trieben sie auf das Land ihrer Vorfahren, wo der Grossgrundbesitzer die Setzlinge für ein Zuckerrohrfeld ausgebracht hatte. Die neuen Pflanzen hätten den Boden ausgelaugt und als Weideland unbrauchbar gemacht. Die jungen Männer versteckten sich in den Büschen, um zu beobachten, was passieren würde: Auf der Suche nach Gras trampelten die Kühe die Setzlinge nieder. Die Farmarbeiter kamen herbei, doch konnten sie der vielen Kühe nicht Herr zu werden. Ihr Plan ging auf, doch er war sehr riskant. Denn: In Südafrika darf ein Bodenbesitzer für eine fremde Kuh auf seinem Land ein Pfand von 100 Rand, rund sieben Franken, verlangen. Viele Besitzerfamilien der 100 Kühen hätte ein solcher Betrag vor grosse Schwierigkeiten gestellt. Heute aber, Monate später, weiden ihre Kühe vereinzelt immer noch hier.

Zweite Vertreibung?

Land Grabbing steht im Zentrum der diesjährigen Ökumenischen Kampagne. Diese Landnahme hat in Südafrika eine lange Tradition, wie das Beispiel Makhasaneni zeigt. Als 1994 die Regierung Mandela die Apartheid beendete, versprach sie, mit einer Landreform 30% des Landwirtschaftslands an die schwarze Bevölkerung zurück zu geben. Doch gerademal 7% wurden bislang umverteilt. Die Passivität der Regierung droht die bestehende Ungerechtigkeit zu zementieren. Zudem gehen die Vertreibungen bis heute weiter.

Buthelezi und die anderen Einwohnerinnen und Einwohner von Makhasaneni sind nicht allein. Begleitet und beraten werden sie von Landdesk, einem Ableger der südafrikanischen Bischofskonferenz, der der Fastenaktion unterstützt wird. Landdesk weiss, auf welche Gesetzesartikel der Dorfrat sich bei seinen Einsprachen berufen muss und an wen er diese richten muss. Und Landdesk hilft auch, weitere Schritte zu planen.

Nun droht dem Dorf und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern weiteres Ungemach: Ein Bergbauunternehmen plant hier eine Mine zum Abbau von Eisenerz. Es geht um eine Fläche von 19‘000 Hektaren, 600 Haushalte sollen umgesiedelt werden. Der Unmut im Dorf ist gross, sagt Vuyisile Kubheka, Mitglied des Dorfrats und Priester: „Die erste Vertreibung war, wie wenn uns ein Bein abgeschnitten worden wäre und wir noch mit einem Bein weiterleben. Eine zweite Vertreibung würde uns nun auch noch das zweite Bein kosten.“

Zwischen den Bäumern ein paar verstreute Felsbrocken von den Gräbern der Vorfahren.
Zwischen den Bäumern ein paar verstreute Felsbrocken von den Gräbern der Vorfahren.

Landdesk organisierte den Transport für den Protestmarsch zur zuständigen Behörde in der Provinzhauptstadt. Und Landdesk begleitet den Dorfrat bei der Umfrage in der Bevölkerung: Erteilt Ihr uns die Vollmacht, damit wir uns in Eurem Namen auf legalem Weg gegen das Minenprojekt zur Wehr setzen? Es zeigte sich: Das Engagement des Dorfrats ist ganz im Sinn der Bevölkerung.

Zurück im Dorf widmet sich Häuptling Buthelezi wieder dem Bau eines Hauses auf seinem Gehöft. Der 91jährige baut ganz allein die Querverstrebungen für das Mauergerüst. Einzig um die Pflöcke einzuschlagen, bat er einen seiner Söhne um Hilfe. Später wird er aus Lehm und Dung die Wände bauen. Das Haus baut er für seinen Grossvater, gleich neben dem Haus seines Vaters. „Damit sie in meiner Nähe sind und mich beschützen!“ Und vielleicht sind diese beiden Häuser für die Verstorbenen Symbol für das Einsehen und die Hoffnung zugleich, dass dieser Ort vielleicht das Zuhause bleiben wird. Dass es von hier weder ein Weiter noch ein Zurück gibt.

Patricio Fre

* Namen geändert

Dieser und weitere Artikel zum Thema Land Grabbing wurden in ite – Die Eine-Welt-Zeitschrift publiziert.

Raymundus Remang, Dorfchef von Sungai Utik. Wie viele andere Dörfer wird auch Sungai Utik vom Vorpreschen der Palmölfirmen bedroht.
«Ich habe die letzte Nacht im Langhaus übernachtet, weil ich noch etwas für die Distriktverwaltung erledigen musste. Ein Teil meiner Familie ist im Unterstand auf dem Feld geblieben und hat die Glut kontrolliert. Wir haben das Feld eben erst vorbereitet und dafür Baumstämme, Äste und das Gestrüpp verbrannt, die wir zuvor zusammengetragen haben. Heute räumen wir die nicht ganz verbrannten Äste zusammen, bevor wir beginnen, unsere Reissamen direkt auf die Erde zu säen. Die Asche dient dabei als Dünger.

Heute Morgen fahre ich mit meiner Frau und meiner jüngsten Tochter mit dem Motorrad zurück aufs Feld. Ich möchte, dass meine Kinder lernen, wie man bei uns traditionell Trockenreisfelder (ladang) bestellt. Unser Anbausystem nennt sich ‹ladang bergilir› (aufs Trockenreisfeld zurückkehren): Wir bewirtschaften ein Feld nur alle 10 Jahre, dazwischen lassen wir es ruhen. Dieses Prinzip befolgen wir seit Hunderten von Jahren ebenso wie die Riten und Bräuche beim Vorbereiten der Felder, beim Pflanzen und der Ernte. Die Ladang-Bauern brennen den Primärwald nicht ab und verursachen auch nicht den Rauch, den die Regierung nun anprangert. Das machen die Palmölfirmen. Wegen des Rauchs will die Regierung uns nun das Abbrennen des Gestrüpps verbieten. Bei den Plantagen ist das richtig, aber uns können sie die Kultur der Trockenreisfelder nicht verbieten, denn damit geht die Identität und die Kultur der Dayak verloren.

Bevor die Palmölfirmen kamen, war unser Leben bescheiden, aber wir hatten Arbeit und zu essen und konnten die Schule für die Kinder bezahlen. Die Firmen kommen nicht, weil sie uns Geld und Jobs bringen wollen, sie haben eigene Interessen. Wir haben beobachtet, wie die Palmölfirmen in anderen Dörfern die Umwelt und auch das soziale Zusammenleben zerstört haben. Deshalb haben 10 Gemeinden unseres Bezirks beschlossen, keine Palmölfirmen zu akzeptieren. Heute Abend werde ich wieder mit meiner Familie auf dem Feld übernachten.»


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen Dossier zum Thema Land Grabbing. Sie finden dieses auf www.sehen-und-handeln.ch/publikationen.

Die Bevölkerung von Sungai Utik lebt traditionell unter einem Dach. Foto: François de Sury

Westkalimantan, Indonesien. Wir stehen in Sungai Utik am Oberlauf des Flusses Kapuas vor einem Dayak-Langhaus: Das über 60-jährige Haus steht auf Pfählen, ist 180 m lang und aus wunderschönem Holz gebaut. Vor dem Haus bietet eine gleich lange Terrasse Platz für Alltagsarbeiten, dahinter befindet sich der gedeckte Begegnungsraum. Er macht die halbe Fläche des Langhauses aus. Auf der anderen Seite befinden sich 28 Türen, hinter denen die Wohnungen der Grossfamilien liegen. Es gibt Strom, fliessendes Wasser, Fernsehen. Am Abend führt eine junge Frau im Begegnungsraum Frauen und Kinder in die englische Sprache ein. Anderswo diskutieren Frauen und Männer über das sich verändernde Wetter und den Reisanbau, während eine alte Frau mittendrin eine Rattan-Matte flicht.

Von Miges Baumann, Bereichsleiter Entwicklungspolitik bei HEKS

Im Kosmos aufgehoben

Die Iban, eines der indigenen Dayak-Völker der Insel, pflegen ihre traditionelle Lebensweise und sind aufgehoben in ihrem Kosmos. Er baut auf einem Leben in Harmonie mit der Natur. Traditionelle Sitten und Regeln sorgen dafür, dass der Wald erhalten bleibt und die Trockenreisfelder nach bestimmten Riten vorbereitet, bepflanzt und geerntet werden. Das Hochhalten ihrer kulturellen Werte hilft der Bevölkerung von Sungai Utik, den aggressiven Palmölfirmen zu widerstehen. Das Symbol des Iban-Kosmos, eine Art Blume, ist denn auch überall präsent: Die Männer haben es sich auf die Arme tätowiert und neben einer Tür im Langhaus hängt die Interpretation des Symbols, damit bereits die Kinder mit der Bedeutung vertraut werden.

Wir besuchen Grossvater Abay Janggut. Er ist der Herr des Langhauses und eine zentrale Figur im Widerstand gegen die rasant fortschreitende Landnahme durch Palmölfirmen. «Die Erde ist unsere Mutter, der Wald unser Blut und unser Atem», erklärt Abay Janggut. «Die Ölpalmplantagen zerstören unsere Umwelt. Wie sollen wir denn in Zukunft leben?» Der 87-Jährige, der noch vor der Staatsgründung Indonesiens geboren wurde, hat immer in dieser Waldumgebung gelebt. «Ich habe gesehen, wie sich die Welt verändert hat. Heute ist es fast unmöglich, frisches Wasser zu finden, die Trockenreisfelder zu bearbeiten und noch Jagdgründe zu finden», sagt er.

Abay Janggut verkörpert die traditionelle Dayak-Kultur und den Widerstand gegen die Ölpalmplantagen. Foto: François de Sury

Widerstand gegen Plantagen

Im Kampf gegen die Plantagen inspiriert der ehemalige Chef über die indigenen Bräuche Abay Janggut die ganze Gegend bis über die Grenze nach Malaysia. «Wenn du die Einwilligung zur Abgabe deines Landes unterzeichnest, tötest du dich selbst, denn du verlierst dein Land für immer. Möchtest du es behalten, solltest du es bepflanzen, um es vor den Unternehmen zu schützen», sagt Abay Janggut. Er ist davon überzeugt: Ohne Land verlieren die Dayak ihre Identität. Sungai Utik besitzt eine Landfläche von 9500 Hektar, zwei Drittel davon sind Urwald, der wie die Felder als wichtige Nahrungsquelle dient. Das Dorf konnte sich bisher erfolgreich gegen die Plantagenfirmen wehren. Die Menschen in den umliegenden Dörfern hingegen sind weniger geeint. Droht ihnen dasselbe Schicksal wie Hunderten anderen Indigenen-Dörfern in Kalimantan, die ihr Land und ihre Wälder an die Palmölfirmen verloren haben? Können sie deren verlockenden, meist leeren Versprechungen widerstehen?

Von der Regierung gestützt

Allein in der Provinz Westkalimantan besitzen 411 Palmölfirmen Anbaubewilligungen für über 5,5 Mio. Hektar Land. Dies entspricht 38 Prozent der gesamten Landfläche. In ganz Kalimantan besitzen die Konzerne Anbaubewilligungen über 15 Mio. Hektar. Geht es nach der Regierung, sollen in Indonesien bis 2020 mehr als 22 Mio. Hektar Land mit Ölpalmen bepflanzt sein. Das sind knapp 12 Prozent des teilweise sehr dicht besiedelten Landes. Anton Widjaya, Direktor von Walhi, Partnerorganisation von HEKS, sagt: «Wir sind die einzige Organisation in der Region, die Umweltthemen, Diskriminierung und Missachtung der Menschenrechte, aber auch das Ausbleiben einer nachhaltigen Entwicklungspolitik seitens der Regierung anspricht. Land und Umwelt werden zerstört und Gemeinden, die noch Land besitzen, bedroht und im Namen der Entwicklung marginalisiert.» Mit Kampagnen und anwaltschaftlicher Arbeit macht Walhi die Plantagenindustrie, den Bergbau und die Abholzung zum Thema. Und die Organisation unterstützt betroffene Gemeinden im Kampf für ihr Land. Die Gelder für die lukrative Palm- ölindustrie stammen von Investoren rund um den Globus.

Schweizer Banken involviert

Auch Schweizer Banken haben Kredite und Finanzdienstleistungen an Konzerne gewährt, deren Tochterfirmen sich entgegen allen internationalen Standards Land für Plantagen aneigneten und den Wald zerstörten. So beteiligte sich etwa die Credit Suisse an der Aktien-Emission der indonesischen DSN-Gruppe, deren Tochtergesellschaften Rimba Utara und Mandiri Agrotama Lestari Sungai Utik und die umliegenden Gemeinden bedrängen.

In Ulak Pauk, einem Nachbardorf von Sungai Utik hat eine Gruppe von jungen Bewohnern ein Manifest gegen die Plantagen verfasst. Deren Leiter Marselus Alek erklärt; «Wir sind gegen die Ölpalmplantagen, weil wir sehen, wie unfair sich Rimba Utara benimmt. Sie kamen in unser Dorf ohne uns zu informieren, suchten nie unsere Zustimmung. Wir glauben, dass sie sich unser Land ohne Erlaubnis aneignen werden, denn unser Dorf liegt mitten in der geplanten Plantage», sagt er aufgebracht. «Sie stehlen uns unser Land.» Deshalb haben sich die Jungen, die Dorfchefs und die Adat-Vertreter zusammengetan, um gemeinsam gegen die Palmölfirmen zu kämpfen.


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen Dossier zum Thema Land Grabbing. Sie finden dieses auf www.sehen-und-handeln.ch/publikationen.

In Indonesien wurden in den vergangenen Jahrzehnten grosse Ölpalm-Plantagen auf riesigen Landflächen angelegt. Das benötigte Land wird oft der lokalen Bevölkerung weggenommen. Kartini Samon von der indonesischen Partnerorganisation Grain ist während der Ökumenischen Kampagne in der Schweiz zu Besuch, um auf das Thema Land Grabbing aufmerksam zu machen. im Interview erläutert sie die Folgen für Mensch und Umwelt und spricht über Herausforderungen und Chancen in ihrer Heimat.

Kartini Samon, was ist das Problem mit Ölpalm-Plantagen in Indonesien?

Ölpalm-Plantagen gibt es in Indonesien seit über 100 Jahren. Das Problem ist, dass es heute schlicht zu viele davon gibt. Die vergangenen 30 Jahre haben eine derart rasante Expansion der Plantagen über den gesamten Archipel hervorgebracht, dass heute eine Gesamtfläche von über elf Millionen Hektaren mit Ölpalmen bepflanzt ist. Diese Monokulturen zerstören den Boden, beanspruchen das vorhandene Wasser und bedrohen die Existenz der indigenen Bevölkerung und Gemeinschaften.

Land Grabbing* kann ganze Familien von ihrem Land vertreiben. Sind grossstädtische Slums ihre einzige Alternative?

Es ist gefährlich zu denken, Slums wären eine Alternative. Meiner Meinung nach gibt es nur eine wirkliche Alternative: Um das Recht auf das Land zu kämpfen! Landkonflikte stehen in Indonesien an der Tagesordnung – weil die Menschen sich wehren. Sie sehen die Konfrontation als einzige Chance, ihre letzte Möglichkeit. Klar, nicht immer endet die Auseinandersetzung mit einem Sieg, viele Leute werden umgesiedelt. Aber die Menschen in Indonesien wehren sich nach Kräften. Land Grabbing lässt sich nicht rechtfertigen.

Einzelne Menschen finden Arbeit in den Plantagen oder bei der Palmöl-Verarbeitung – für viele bleibt es bei den Versprechungen. Führt dies zu Spannungen innerhalb der Gemeinschaften?

Ja, dies führt vielfach zu Spannungen innerhalb von Familien und Gemeinschaften. Oft werden aber ohnehin externe Arbeitskräfte angestellt – die lokalen Leute gehen leer aus. Ein grosser Teil dieser Beschäftigten sind im Taglohn oder saisonal angestellt. Das bedeutet für sie wenig bis gar keine soziale Sicherheit und sehr tiefe Löhne. Besonders Erntearbeiter sind nur im Stundenlohn und häufig im Akkord angestellt.

Die indonesische Regierung ruft Investitionen in grosse Plantagen als Mittel zur Entwicklung aus. Was sind deine Gedanken dazu?

Regierungen in verschiedenen Ländern verstehen Entwicklung meist ausschliesslich als wirtschaftliches Wachstum. Sie messen Wachstum anhand der Höhe der Investitionen oder dem Handelsvolumen und lassen dabei die ökologische und soziale Dimension völlig ausser Acht. Wenn man die Konsequenzen für Mensch und Umwelt berücksichtigt, sind Investitionen in grosse Plantagen das pure Gegenteil von Entwicklung.

2004 wurde der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl – Roundtable on Sustainable Palm Oil, kurz RSPO- lanciert. Eine gute Sache?

Wenn man berücksichtigt, dass Palmöl in Indonesien grossindustriell auf der Basis von Monokulturen hergestellt wird, ist für mich gar nichts nachhaltig. Meines Erachtens – und dies ist auch die offizielle Stellung von Grain – sind RSPO und andere Mechanismen zur Förderung verantwortungsvoller Investitionen in Ackerland nur ein Vorwand, damit Investoren und Konzerne weiterhin freie Hand haben um «business as usual» zu betreiben.

Zwar reichen Organisationen oder lokale Gemeinschaften in Indonesien immer wieder Beschwerden beim Runden Tisch ein, gleichzeitig kam es aber noch nie zu einem für die Beschwerdeführenden zufriedenstellenden Ausgang. Dies ist sehr besorgniserregend, da der Beschwerde-Mechanismus die letzte Instanz ist, um Probleme anzugehen, die beim Zertifikationsprozess nicht berücksichtigt werden. Wenn die Erfolgsaussicht einer Beschwerde gegen Null tendiert, was ist dann der Nutzen der Zertifizierung?

Ist die indonesische Bevölkerung gegenüber dem Thema Land Grabbing sensibilisiert?

Ja, denn von Land Grabbing sind die Menschen an vielen Orten unter verschiedenen Vorzeichen betroffen. Neben den ländlichen Gebieten, wo Land zugunsten landwirtschaftlicher Grossprojekte verloren geht, sind auch Küstenregionen betroffen. Durch Aufschütten grosser Meeresflächen entstehen teils umstrittene neue Landflächen. In den Städten ist Gentrifizierung ein verbreitetes Problem. Dabei werden weniger zahlungskräftige Bürgerinnen und Bürger durch Attraktivitätssteigerung aus bestimmten städtischen Vierteln vertrieben. Es geht also nicht bloss um kontroverse Diskussionen, es spielt sich hier vielmehr ein echter Kampf um Lebensraum ab. «Regierungen in verschiedenen Ländern verstehen Entwicklung meist ausschliesslich als wirtschaftliches Wachstum.»

Du lebst in Jakarta, eine der grössten Städte der Welt. Bei deiner Arbeit geht es um Kleinbauern und soziale Bewegungen in ländlichen Gebieten. Wie passt das zusammen?

Wir dürfen die Beziehung zwischen Land und Stadt nicht vergessen. Auch Menschen in den Städten sind auf genügend und gesunde Nahrungsmittel angewiesen. Nur wenn wir unserer lokalen Landwirtschaft und den lokalen Märkten Sorge tragen, werden wir dies auch langfristig gewährleisten können. Deshalb ist es umso wichtiger, das Bewusstsein zu fördern für die Herkunft unserer Nahrungsmittel, wer sie wie herstellt und welche gesundheitlichen Auswirkungen die Ernährung auf uns Menschen hat.

Du hast in Europa studiert und verschiedene Kulturen kennengelernt. Was in deiner Heimat Indonesien bereitet dir am meisten Sorgen?

Indonesien ist mit einer Bevölkerung von rund 250 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt. Genauso gross ist unsere kulturelle Vielfalt; über 30 grössere ethnische Gruppen sind auf indonesischem Boden beheimatet. Unsere Biodiversität ist ebenfalls einzigartig – wir besitzen unter anderem einen der artenreichsten noch bestehenden Regenwälder. Leider haben wir auch viele Herausforderungen. Was mich am meisten beunruhigt, ist die steigende Gewaltbereitschaft seitens des Militärs und religiöser Fundamentalisten. Meistens geht es dabei letztendlich um Macht und Geld.

Wie stellt sich Grain eine nachhaltige Landwirtschaft vor?

Wir stellen uns ein landwirtschaftliches System vor, das von lokalen Gemeinschaften bewirtschaftet wird, reich ist an Biodiversität und wo Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie indigene Gruppen Zugang und Kontrolle über Land und Wasser haben. In diesem System haben sie das Recht, ihr eigenes, lokales Saatgut anzupflanzen, zu tauschen und sind nicht von chemischen Düngern und Pestiziden abhängig. Damit wäre sichergestellt, dass gesunde und sichere Nahrungsmittel lokal produziert werden.

 Text: Fabian Weidmann

 

In Indonesien müssen immer mehr Flächen Palmölplantagen weichen.

Manchmal erhält man einen ungefilterten Einblick in die Denkweise von Investoren, die in den letzten Jahrzehnten Millionen von Hektaren Land in allen Teilen der Welt an sich gerissen haben. «Das Land wurde teilweise zum ersten Mal für die landwirtschaftliche Nutzung urbar gemacht und damit aufgewertet», schrieb etwa das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung über das Projekt des Genfer Agrotreibstoffkonzerns Addax in Sierra Leone.

Von Silva Lieberherr, Fachperson Landwirtschaft und Land Grabbing bei HEKS

Diese Begrünung des ungenutzten Landes ist bei den Investoren weit verbreitet, entpuppt sich beim näheren Hinsehen jedoch als pure Lüge, mit der seit Kolonialzeiten gerne argumentiert wird. Tatsache ist, dass bei den grossen Deals der letzten Jahre riesige Landflächen verpachtet wurden, auf denen die Bevölkerung bisher Lebensmittel angebaut hatte, ihr Vieh weiden liess oder Feuerholz und Medizinpflanzen sammelte. 2008 gab die internationale Nichtregierungs-organisation Grain, Partnerorganisation von HEKS, dem Phänomen einen Namen: Land Grabbing – auf Deutsch «Land an sich reissen». Doch was genau passiert mit dem Land? Und wer steckt dahinter?

Schnittblumen anstatt Maniok

Ein Teil der Flächen liegt brach und dient lediglich der Spekulation. Auf anderen werden Zuckerrohr für den Tank europäischer Autos, Ölpalmen für Duschgels und Fertiggerichte, Schnittblumen, Tomaten, Soja oder Mais für die Viehmast angebaut. Allen Land-Grabbing-Projekten gemeinsam ist, dass der Boden als Investitionsobjekt betrachtet und mit möglichst gewinnträchtigen Kulturen bepflanzt wird – anstatt mit Nahrungsmitteln, die die Menschen vor Ort satt machen. Es sind britische Konzerne in Ghana, amerikanische Investmentfonds in Kolumbien, aber auch chinesische Mischkonzerne in Frankreich, die sich riesige Landreserven über mehrere Generationen sichern. Einen Teil der Gelder dafür erhalten sie von Banken, von Staatsfonds oder von institutionellen Investoren. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen dabei Pensionskassen sowie öffentliche Entwicklungsbanken und -fonds.

Einige der Investorinnen und Investoren machen keinen Hehl daraus, dass es ihnen hauptsächlich um Profit geht. Denn Land gilt angesichts der immer unberechenbareren Finanzmärkte als sicherer Wert. So sagt etwa die Managerin eines britischen Fonds, der in afrikanisches Land investiert: «Es ist wie als Kind im Süsswarenladen. Die Möglichkeiten sind immens!» Nicht selten schieben die Investoren auch höhere Ziele vor. Der Chef einer britischen privaten Aktienfonds hat etwa nichts weniger im Sinn, als «Afrika zu ernähren». Diese irrige Vorstellung einer Entwicklung von oben teilen auch die Weltbank, Regierungen und die Entwicklungsagenturen zahlreicher Länder: Sie setzten mit der Unterstützung der Land-Grabbing-Projekte auf eine industrielle Landwirtschaft und grossflächige Monokulturen, mit dem vordergründigen Ziel, alle Menschen satt zu machen. 

Seit der Genfer Agrotreibstoffkonzern Addax auf ihrem Land Zuckerrohr anbaut, muss diese Familie ihren Reis teuer einkaufen.

Mit Bulldozern vertrieben

Es ist dringend notwendig, dass sich die Bedingungen der Menschen auf dem Land in vielen Ländern der Welt verbessern. Aber die Verfechterinnen und Verfechter der grossen Landinvestitionen bleiben den Beweis schuldig, dass sich ihre Investitionen positiv auf das Wirtschaftswachstum und die Ernährungssituation der Menschen vor Ort auswirken. Zudem häufen sich die Fälle, in denen sich die Investorinnen und Investoren verspekulieren und Projekte scheitern – darunter einige der grössten Projekte überhaupt wie das 1-Million-Hektar-Ölpalmprojekt der indischen Siva Group, die inzwischen bankrott gegangen ist oder ein 700 000-Hektar-Reisprojekt der Islamischen Entwicklungsbank in Afrika. Trotzdem werden weiterhin Zehntausende Menschen von ihrem Land vertrieben – sei es mit zweifelhaften Verträgen und Versprechen oder mit Bulldozern, weil sich niemand für ihre Landrechte interessiert. Denn die Macht der Konzerne und Investoren und ihr Einfluss auf die Regierungen ist um ein Vielfaches grösser als die der Kleinbäuerinnen oder Hirten, die weder angehört werden noch eine Chance haben, sich bei Streitigkeiten zu wehren. Ausserdem,so ein ehemaliger Weltbankangestellter im Bereich Agrobusiness, sei es wie im kalifornischen Goldrausch: «Die ersten Investoren [im Land] sind oft nicht die appetitlichsten Charaktere.»

Der Widerstand wächst

Es geht um grosse Flächen: Mindestens 47 Millionen Hektar Land haben in den letzten zehn Jahren auf diese Weise die Hand gewechselt. Eine Fläche, die 12 Mal der Schweiz und 28 Mal deren landwirtschaftlich genutzter Fläche entspricht. Für die lokale Bevölkerung sind die Konsequenzen verheerend. Ohne Land können sich die Menschen nicht mehr selber ernähren und sind abhängig von den oft schlecht bezahlten und harten Jobs auf den neuen Plantagen.Auch die gerne versprochenen Schulen, Spitäler und Strassen bleiben oft leere Worte, während die auf den Monokulturen eingesetzten Düngemittel und Pestizide Flüsse und Böden verschmutzen. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass der Widerstand gegen die fortschreitende Landnahme wächst. So etwa in Sierra Leone, Äthiopien oder Benin. In Westafrika haben sich im Frühjahr 2016 rund 300 Organisationen und bäuerliche Netzwerke aus 15 Ländern zusammengeschlossen, um für ihr Recht auf Land und Wasser und gegen Land Grabbing zu protestieren. Sie werden dabei von Organisationen wie Grain und HEKS unterstützt, die sich im Süden wie im Norden für eine nachhaltige und bäuerliche Landwirtschaft einsetzen und Land-Grabbing-Fälle an die Öffentlichkeit bringen.

Verhaftet und getötet

Ungefährlich sind die Proteste der Menschen vor Ort nicht. Denn in der Regel sind die Regierungen auf den Seiten der Investoren – und Widerstand ist ihnen ein Dorn im Auge. Menschen, die sich wehren, werden als Terroristen abgestempelt, eingesperrt und eingeschüchtert, wie der äthiopische Pastor Omot Agwa, oder gar ermordet wie die honduranische Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres. Sie zu schützen und sie bei der Verteidigung ihrer Landrechte und ihres Rechts auf Nahrung zu unterstützen, dafür engagieren sich HEKS und Fastenaktion.


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen Dossier zum Thema Land Grabbing. Sie finden dieses auf www.sehen-und-handeln.ch/publikationen.