Tagung zum Welternährungstag 2020 am 16. Oktober 2020 in Eventforum Bern

Bern, 9. Juli 2020 – 250 Organisationen aus 60 Ländern rufen die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein in einem offenen Brief dazu auf, den Ländern des globalen Südens nicht länger strenge Sortenschutzgesetze aufzudrängen, die sie selber nicht erfüllen. Diese Forderung der EFTA-Länder nach strengem Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – schränkt den freien Umgang mit Saatgut drastisch zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden ein. Das Recht auf Nahrung, die Ernährungssouveränität und die agrarbiologische Vielfalt sind gefährdet.

250 Organisationen aus der ganzen Welt haben sich aus Sorge um die bäuerlichen Saatgutsysteme, die ein Garant für die agrarbiologische Vielfalt und eine unverzichtbare Ressource für die Züchtung neuer Nutzpflanzen sind, an die Regierungen der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen gewandt. Sie verlangen, dass die Forderung nach UPOV-91-kompatiblen Sortenschutzgesetzen aus den Verhandlungsmandaten für künftige Freihandelsabkommen gestrichen werden.

Seit über zwanzig Jahren machen die Länder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) in ihren Freihandelsabkommen Druck auf die Länder des globalen Südens, Sortenschutzrechte gemäss dem internationalen Übereinkommen UPOV 91 einzuführen (UPOV = Internationales Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen. Die Akte von 1991 wurde von nur 19 Industrieländern des Nordens und Südafrika für ihre eigenen Bedürfnisse verhandelt). Dies hat eine unverhältnismässige Einschränkung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern, Saatgut für die nächste Aussaat zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen, zur Folge. Und das, obwohl die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein, diese Standards in ihrem eigenen Land nicht umsetzen. (Island hat ein nationales Sortenschutzrecht nach UPOV 91 Standards.)

Dieser «Double Standard» ist umso stossender, als in den Ländern des Südens die bäuerlichen Saatgutsysteme, die durch die UPOV-Standards in ihren Grundfesten erschüttert werden, eine viel zentralere Bedeutung für die Ernährung und Einkommenssicherung haben als in Europa. Den Ländern des globalen Südens diese Standards aufzuzwingen, die ohne ihre Beteiligung ausgehandelt wurden, ist ein neokoloniales Diktat. Die Länder sollen selbst über Gesetze und Politiken in Bezug auf Saatgut, die ihrem landwirtschaftlichen System und den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung entsprechen, entscheiden können.

Aktuell verhandelt die EFTA ein Abkommen mit Malaysia. Im Februar 2020 standen auch intellektuelle Eigentumsrechte inklusive Sortenschutz à la UPOV 91 auf der Agenda. Es ist gerade im Fall Malaysia unverständlich, warum die EFTA-Länder auf UPOV 91 beharren. Das Land verfügt bereits über ein Sortenschutzgesetz, das in einem beschränkten Rahmen auch die Rechte der Bäuerinnen und Bauern auf Saatgut respektiert. Die «Koalition Recht auf Saatgut» hat Mitte Juni gegenüber dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft in einer Replik ihre Besorgnis darüber eindringlich dargelegt und dessen Argument ‘Sicherung des Wirtschaftsstandorts Schweiz’ zurückgewiesen.

Der Verzicht auf UPOV Standards in Freihandelsabkommen wäre ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere dem Ziel Nr. 2 (Kein Hunger) und dem Ziel Nr. 15, welches dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen will.

 

Für weitere Informationen:

  • , Verantwortliche Entwicklungspolitik Saatgut SWISSAID; Tel. +41 (0)78 700 49 61
  • , Koordinator APBREBES; +41 (0)79 344 02 54
  • , Handelspolitik Public Eye; Tel. +41 (0)44 277 79 11

Saatgut soll den Bäuerinnen und Bauern gehören, die es nutzen. Dies fordern über 2300 Menschen aus 11 Ländern in ihren Briefen ans Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Dieses hat mit einer Stellungnahme reagiert – welche ihrerseits HEKS und Fastenaktion kommentieren. 

Während der Ökumenischen Kampagne der Fastenaktion und HEKS von Februar bis April 2020 haben rund 2’400 Bäuer/innen und Bürger/innen aus 11 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sowie der Schweiz über 1’300 Briefe an das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) geschickt. Darin haben sie das Seco aufgefordert, in den Freihandelsabkommen (FHA) mit Ländern des globalen Südens nicht länger Sortenschutzgesetze gemäss des UPOV91-Übereinkommens zu verlangen. Diese schränken den Zugang zu Saatgut ein und bedrohen damit die Saatgutvielfalt und Ernährungssicherheit. 

In einer Stellungnahme vom Februar 2020 reagierte das Seco auf diese Briefe – auf die nun die Koalition «Recht auf Saatgut» (darunter Fastenaktion und HEKS) ihrerseits ausführlich reagiert hat (Lange Fassung).

Eine Analyse der Koalition zu den wichtigsten Punkten des Seco finden Sie hier in einer Kurzfassung:  

Reaktion auf die Stellungnahme des Seco (Kurzfassung)

Beitritt zu UPOV91 ist keine Voraussetzung – aber Grundforderung

Die Schweiz würde «den Beitritt zu UPOV nicht zur Voraussetzung für den Abschluss eines Freihandelsabkommens» machen. Für die Schweizer Koalition «Recht auf Saatgut» ist diese Behauptung irreführend. Gemäss der Seco-Stellungnahme ist der Beitritt zu UPOV bzw. einem Sortenschutzgesetz gemäss UPOV91-Kriterien zwar keine Voraussetzung für ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz. Es ist aber eine Grundforderung der Schweiz beim Beginn aller Verhandlungen für Freihandelsabkommen mit Nicht-UPOV Staaten.

Ein System von wenigen, dass für viele gelten soll

Das UPOV-Abkommen wird von den Interessen der Saatgutindustrie dominiert, auch wenn mittlerweile Entwicklungsländer zu den Mitgliedern zählen. Ursprünglich wurde das Abkommen 1961 durch sechs westeuropäische Länder verhandelt. Bei der Ausarbeitung der Version von 1991, die von der Schweiz in den Freihandelsabkommen eingefordert wird, waren die damals 20 UPOV-Mitgliedstaaten beteiligt. Das einzige Land des Südens am Verhandlungstisch war Südafrika, in dem dazumal Apartheid herrschte. Die Stimme des globalen Südens blieb aussen vor. Die UPOV-Konvention kann deshalb punkto Legitimität in keiner Weise mit einem Abkommen der UNO oder ihrer Fachorganisationen gleichgestellt werden, bei denen praktisch alle Länder an den Verhandlungen teilnehmen dürfen.  Die Entwicklungsländer unter den heutigen UPOV-Mitgliedern haben – wo immer möglich – die Version von 1978 ratifiziert, die ihnen auch punkto Bauernrechte mehr Freiheiten erlaubt. Ebenfalls grosse Landwirtschaftsproduzenten wie China, Brasilien oder Argentinien haben die Version 78 unterzeichnet. Das Seco fordert nun von viel ärmeren Ländern wie Indonesien oder Malaysia, dass sie strengere Sortenschutzmassnahmen einführen als diese Mega-Agrarproduzenten. Andere Entwicklungsländer, welche die UPOV-Akte von 1991 ratifiziert haben, taten dies, weil sie durch Freihandelsverträge wie jene der EFTA oder den USA dazu gezwungen wurden (z.B. Peru, Marokko, Costa Rica).  

Wasser predigen, Wein trinken

Anders als vom Seco behauptet, ist es deshalb nicht naheliegend, dass die Schweiz und die EFTA von den Partnerländern ein Sortenschutzrecht gemäss UPOV 91 einfordern. Umso mehr, da drei der vier EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen und Liechtenstein) diese Anforderungen mit ihren eigenen Gesetzen ja selbst gar nicht erfüllen: Die EFTA-Länder fordern von den Partnerländern strengere Sortenschutzgesetze, als sie selbst bereit sind einzuführen.

In seiner Stellungnahme suggeriert das Seco Offenheit, die Rechte der Bäuerinnen und Bauern am Saatgut besser zu berücksichtigen: «Ziel jedes von der Schweiz ausgehandelten FHAs ist es, die bestmögliche Lösung für alle Betroffenen zu schaffen. Die Schweiz und die andere EFTA-Mitgliedsstaaten sind darum offen, mit Partnerländern bei Bedarf individuelle Alternativlösungen zu finden… Dies wurde beispielsweise in den kürzlich abgeschlossenen Verhandlungen mit Indonesien und den Philippinen gemacht.»

Dies ist nicht korrekt. Gemäss dem Freihandelsvertrag muss Indonesien alle «wesentlichen Bestimmungen» von UPOV 91 umsetzen. Auch weiterhin ihre lokalen Sorten schützen zu dürfen, ist das Einzige, was Indonesien zugestanden wurde. Dies hat aber keinen direkten Zusammenhang mit dem Recht der Bauern und Bäuerinnen, Saatgut geschützter Sorten nachzubauen, zu tauschen oder zu verkaufen. Von einer «Alternativlösung» kann in diesem Fall also nicht die Rede sein.

 Im Widerspruch zu Bauernrechten

Um eine bestmögliche Lösung zu finden, ist es unabdingbar, auch die Interessen der Bäuerinnen und Bauern in den Verhandlungsprozess einfliessen zu lassen. Da die Verhandlungen zu den Freihandelsabkommen jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, gibt es für die Betroffenen keine Möglichkeit, direkt an den Gesprächen teilzunehmen. Dieser Ausschluss steht im Widerspruch zu den Rechten der Bäuerinnen und Bauern wie sie auch im Internationalen Saatgutvertrag der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) und in der Bauernrechtsdeklaration der UNO verankert sind. Darüber hinaus weigert sich das Seco bis heute, die Auswirkungen von UPOV91 auf die Menschenrechte zu prüfen. Obwohl verschiedene Studien und Berichte darauf hinweisen, dass die Einführung von UPOV91 sehr wohl Menschenrechte gefährden können, allen voran das Recht auf Nahrung.

Interessen der Konzerne als Priorität

Eine konkrete Forderung in den Briefen der Bäuerinnen, Bauern und weiteren Bürger/innen war unter anderem, in den laufenden FHA-Verhandlungen mit Malaysia auf die Forderung nach UPOV zu verzichten. Auf dieses konkrete Anliegen geht die Stellungnahme nicht ein.

Ausserdem verweist das Seco auf den Forschungsstandort Schweiz, der «auch in Partnerländern an einem angemessenen Schutz der Rechte an geistigem Eigentum interessiert ist». Es macht damit klar, dass es auch weiterhin die Interessen von kommerziellen und staatlichen Züchter*innen, darunter die marktdominierenden internationalen Agrarkonzerne, höher gewichtet als die Rechte der Bäuerinnen und Bauern.

Die Stellungnahme schliesst mit der Bereitschaft des Seco, «den Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen weiterzuführen». Die Schweizer Koalition «Recht auf Saatgut» wird das Gespräch mit dem Seco weiterführen.

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Mit Ihrer Spende können Bäuerinnen und Bauern weiterhin für Gerechtigkeit kämpfen
Eugenio Geraldo pflanzt Bananen an.

«Das könnte länger dauern, aber wir sind vorbereitet», sagt Eugenio Geraldo, ein Biobauer aus den Philippinen, auf die Frage nach den Auswirkungen von Corona. Zusammen mit seiner Familie – seine jüngste Tochter züchtet Reis, seit sie sechs ist – sind sie trotz aller staatlichen Einschränkungen gut gewappnet gegen die Folgen von Covid-19.

Eugenio Geraldo ist Witwer aus Malitbog in der Provinz Bukidnon, im Zentrum der zweitgrössten philippinischen Insel Mindanao. Er und seine fünf Kinder pflanzen seit 17 Jahren nach agrarökologischen Methoden an. Mit Agrarökologie – oder, wie es vor Ort besser bekannt ist unter dem Namen «diversifiziertes integriertes Anbausystem (DIFS)» – bewirtschaften sie ihre drei Hektar grosse Farm mit zahlreichen Dauer- und Saisonkulturen und integrieren Vieh- und Geflügelzucht. Dabei ist wichtig, dass die Pflanzen so kombiniert werden, dass sie sich gegenseitig unterstützen und mit Nährstoffen, Schatten oder Kletterhilfen versorgen – und die Menschen das ganze Jahr hindurch genügend Nahrungsmittel haben.

Plötzlich wenden sich alle an die Geraldos

Die agrarökologische Praxis seiner Familie wird von den Einheimischen und Regierungsbeamten jetzt, in Zeiten von Corona, mehr geschätzt, gerade, als ihre abgelegene Gemeinde Malitbog auf die COVID-19-Krise Sperr- und Quarantänemassnahmen einführte.

Die lokale Regierung ermutigte ihre Bevölkerung, Gemüse und lokal produzierte Lebensmittel zu konsumieren. So haben sich plötzlich viele an Eugenio und an die Bauernorganisation TSAFO (Tomigbong Sustainable Agriculture Farmer’s Organization) gewandt, die er, seine Familie und ihre Nachbarn vor Jahren gegründet haben. TSAFO ist eine Mitgliedsorganisation der Fastenaktion Partnerorganisation Agro-Eco.

Durch den Verkauf seines Gemüses auf dem lokalen Markt verdient «Eunie», wie Eugenio Geraldo von den Menschen liebevoll genannt wird, nun 2’000 Philippinische Pesos (zirka 39 Franken) pro Woche. Das hat einen Anreiz bei den Landwirtinnen und Landwirten und den Verbrauchenden geschaffen. Er und die Mitglieder von TSAFO erwägen nun auch, ihre Bio-Produkte direkt an die Menschen in der Nachbargemeinde Tagoloan in der Provinz Misamis Oriental, zu verkaufen.

Eugenio Geraldo und seine Tochter Lourdes.
Teilen liegt Eugenio Geraldo im Blut. Er führte seine jüngste Tochter Lourdes im Alter von sechs Jahren in die Reiszucht ein und machte sie damit zur jüngsten Reiszüchterin auf den Philippinen. Zusammen unterrichtet dieses Tandem aus Vater und Tochter die Schülerinnen und Schüler in Malitbog seit fast zwei Jahren freiwillig in ökologischem Landbau, dies im Rahmen des «Gulayan sa Paaralan-Programms» des Bildungsministeriums.

Agrarökologie gewinnt immer mehr an Dynamik

COVID-19 hat die Welt zum Stillstand gebracht, den Warenverkehr ernsthaft beeinträchtigt und die Menschen gezwungen, zu Hause zu bleiben. Dies behindert auch die übliche Art zu denken, sich zu bewegen, zu konsumieren, zu arbeiten und Geschäfte zu machen. Andererseits wird nun sichtbar, dass sich jetzt ein Modell auf der Grundlage der Agrarökologie herausbildet und entwickelt, das auf lokaler Ebene an Dynamik gewinnt und Kleinbauern wie «Eunie» und den Millionen anderer Menschen auf den Philippinen aber auch anderswo viel bessere Möglichkeiten bietet.

Text: Geonathan Barro von der philippinischen Partnerorganisation Agro-Eco.

Fastenaktion und HEKS setzen sich  in Workshops und Weiterbildungen mit ihren Partnerorganisationen für agrarökologische Methoden ein. Um auch diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 

Setzen Sie sich mit uns für die Menschen im globalen Süden ein

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Die Bäuerin Delia Badillo und ihr Mann Teodulo.

Die Bäuerin Delia Badillo und ihr Mann Teodulo haben auf der philippinischen Insel Mindanao einen eigenen Hof. Gerade in Zeiten von Corona ist die Selbstversorgung der Familie mit agrarökologischen Methoden zentral. Während viele Menschen auf Nahrungsmittellieferungen angeweisen sind, kommt diese Kleinbauernfamilie mit der Hilfe der Fastenaktion gut durch die Krise.

Die Warenbewegungen im Land sind drastisch eingeschränkt worden aufgrund der von der Regierung verhängten Sperre. In den Städten ist die Versorgung mit Lebensmitteln bereits jetzt vielerorts alarmierend. Es wird befürchtet, dass sich die Nahrungsmittelkrise in den kommenden Monaten noch verschärfen wird, wenn die Sperre wahrscheinlich verlängert wird und die Situation weiterhin aussergewöhnlich bleibt.

Bauern und Bäuerinnen sind gut auf die Corona-Krise vorbereitet

Menschen wie die Badillos haben nun mehr Möglichkeiten als andere: «Es geht uns hier gut, trotz der von der Regierung durchgeführten Sperre. Unser Bauernhof versorgt uns mit allem Nötigen», sagt Delia Badillo. Sie und ihr Mann Teodulo – oder «Dokdok», wie er überall genannt wird – bewirtschaften ihre Felder mit agrarökologischen Methoden. Ständig führen sie Innovationen auf dem Bauernhof durch, passen ihr Saatgut an. Auch teilen sie ihr Wissen uneigennützig mit den Bäuerinnen und Bauern in der Region der Halbinsel Zamboanga und in mehreren Teilen Mindanaos.

Diversität der landwirtschaftlichen Produkte zahlt sich aus

Auf ihrem ein Hektar grossen Bauernhof pflanzen sie Reis, Gemüse, Obstbäume und Kräuter an und ziehen Ziegen, einheimische Hühner und Enten auf. Begleitet werden sie dabei vom landwirtschaftlichen Know-How der Fastenaktion-Partnerorganisation Agro-Eco. Für ihr Engagement wurde die Organisation bereits mit einem internationalen Agrarökologie-Preis ausgezeichnet. Mit der agrarökologischen Anbaumethode versorgt sich die Familie Barillo ganzjährig mit nahrhaftem Essen, mit Medikamenten, natürlichen Düngemitteln. Dass sie auf viele verschiedene Nahrungsmittel setzen, garantiert ihnen zudem ein regelmässiges Einkommen und sogar einen grösseren Ertrag, als wenn sie nur Reis angepflanzt hätten.

Delia Badillo bekräftigt: «Agrarökologie macht unsere Familie flexibler, um mit einer solchen Situation fertig zu werden. Die diversifizierten Anbaumethoden sind ein wesentliches Element für den Fortbestand der Bäuerinnen und Bauern und der lokalen Wirtschaft.»

Text: Geonathan Barro von der philippinischen Partnerorganisation Agro-Eco

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13.04.2020, Luzern/ Bern. Saatgut soll den Bäuerinnen und Bauern gehören, die es nutzen. Dies fordern über 2300 Menschen aus 11 Ländern in ihren Briefen ans Seco. Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion, HEKS und Partner sein hatten die Aktion im Rahmen der Ökumenischen Kampagne lanciert – die hohe Beteiligung übertraf alle Erwartungen.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verhandelt aktuell mit einer Reihe von Ländern über Freihandelsabkommen. Diese Abkommen verlangen unter anderem einen strengen Sortenschutz für Saatgut. Kleinbäuerinnen und -bauern wehren sich dagegen, weil damit ihr Recht auf Saatgut drastisch eingeschränkt würde. Deshalb erhielt das Seco in den letzten Wochen rund 1300 Protestbriefe von Bäuerinnen und Bauern aus Asien, Afrika und Lateinamerika – dazu auch zahlreiche solidarische Zuschriften aus der Schweiz. Die Briefe wurden von über 2300 Menschen aus insgesamt elf Ländern unterzeichnet. «Die zahlreichen Reaktionen aus derart vielen Ländern zeigen, wie relevant dieses Thema für die Bäuerinnen und Bauern ist», sagt Tina Goethe, Expertin für das Recht auf Nahrung bei HEKS.

Das Seco hat nun mit einer offiziellen Stellungnahme reagiert. Darin anerkennt es die Sorge der Bäuerinnen und Bauern weltweit um das Recht auf Saatgut als wichtiges Anliegen und drückt Offenheit aus, «mit Partnerländern bei Bedarf individuelle Alternativlösungen zu finden». Konkrete Schritte, wie die Schweiz den Anliegen Rechnung tragen will, sind jedoch nicht ersichtlich. HEKS und Fastenaktion werden sich auch künftig dafür einsetzen, dass Schweizer Freihandelsabkommen nicht länger strenge Sortenschutzgesetze verlangen. Dies nicht zuletzt im Rahmen der neu gegründeten Saatgutkoalition, wo sie zusammen mit anderen Organisationen das Kampagnenthema «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» weiter verfolgen. Dazu Claudia Fuhrer, Expertin für das Recht auf Nahrung bei Fastenaktion: «Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert die Nahrung. Darum ist es wichtig, dass die Kleinbäuerinnen und -bauern weiter uneingeschränkt über Saatgut verfügen können und es nicht von Agrarkonzernen monopolisiert wird.»

Covid-19 stellte Kampagne auf den Kopf

Kurz nach dem Start der Ökumenischen Kampagne Ende Februar legte die Corona-Krise das öffentliche Leben in der Schweiz lahm. Die meisten der geplanten Suppentage, Gottesdienste und Podien mussten abgesagt werden. Auch der geplante Strassenverkauf von Rosen zum Frühlingsbeginn konnte nicht stattfinden. Damit fehlt den Entwicklungsorganisationen mindestens eine halbe Million Franken für die Entwicklungszusammenarbeit. Die 80‘000 bereits bestellten Fairtrade-Rosen von Max Havelaar wurden an Altersheime und Spitäler verschenkt – eine Geste, die auf grosses Echo gestossen ist und viele Menschen berührt hat.

Die Hilfswerke entwickelten als Alternative für die Kirchgemeinden und Pfarreien in aller Eile die Aktion «Kleine Suppe mit grosser Wirkung»: Online können sie seit Mitte März Suppentüten beziehen und ihren Mitgliedern nach Hause schicken. «Wir konnten mit grossem Teamgeist schnell Alternativen bieten und so den Esprit der Ökumenischen Kampagne weitertragen», sagt Bernd Nilles, Geschäftsleiter der Fastenaktion und fügt an: «Dass mit den Ereignissen um Covid-19 zahlreiche Spendensammlungen für die Ärmsten ausfielen, ist tragisch. Einige versuchen wir im Laufe des Jahres nachzuholen.» Wie sehr die Corona-Krise die Spendeneinnahmen beeinflusst hat und wie gross die Einbrüche sind, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Ein Trost in der derzeitigen Krise bleibt laut Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter von HEKS. «Mich beeindruckt vor allem die Welle der Solidarität, die wir aktuell erleben», führt er aus und betont gleichzeitig, dass sich diese Solidarität nicht nur auf die Schweiz beschränken dürfe, aktuell sei das Engagement der Entwicklungsorganisationen im Süden besonders wichtig.

Mediendossier mit weiterführenden Unterlagen:

Auskünfte:

Gabriela Neuhaus, Kommunikation HEKS,
, 079 435 81 30

Madlaina Lippuner, Kommunikation Ökumenische Kampagne bei Fastenaktion,
, 076 307 28 77

 

Die Ökumenische Kampagne in Kürze

HEKS (reformiert) und Fastenaktion (katholisch) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten zu verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende zu unterstützen oder sich an einer Aktion zu beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff der gelebten Solidarität.

Juana Vásquez

Weil unser Kampagnengast Juana Vásquez aus Guatemala wegen der Lage zum Corona-Virus nicht in die Schweiz reisen konnte, zeigen wir Ihnen ihre Anliegen in einem Kurzfilm.

«Alles in der Natur ist miteinander verbunden und geordnet. Deshalb ist der Respekt für die Mutter, die Erde, die Natur, die Pflanzen und Tiere und der Respekt unter den Menschen fundamental», sagt Juana Vásquez, ausgebildete Lehrerin, Saatguthüterin und Widerstandskämpferin aus Guatemala. Sie setzt sich für den Erhalt des traditionellen Saatguts ein und wehrt sich mit unserer Partnerorganisation Komon Ajq’ijab’ gegen die Verbreitung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln.

Während gut zwei Wochen, von Mitte bis Ende März, wäre Juana Vásquez Arcón, eine Maya Zacapulteca aus Guatemala, in der Schweiz unterwegs gewesen. Das Programm vollgepackt, weil das Interesse an ihrer Person und an ihrer Botschaft gross war. Die zwei Wochen wären für sie – sie ist bereits 75 Jahre alt – und für uns bestimmt sehr intensiv gewesen. Doch von der Bedeutsamkeit des Kampagnenthemas überzeugt, war es für uns alle in erster Linie eine Gelegenheit, um für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. Wegen der Corona-Pandemie fiel ihre Reise ins Wasser.

Damit wir Ihnen dennoch einen Einblick in die Situation in Guatemala und die Kosmovision der Maya geben können, haben unsere Partner in Guatemala eigens einen Film für die Ökumenische Kampagnen produziert. In «Saatgut ist Leben»erzählt uns Doña Juana von ihrem Leben, dem Kampf um das Saatgut und der bewegten Geschichte Guatemalas.

Die Botschaft von Juana Vásquez ist klar und sie zeigt sich kämpferisch. Sie richtet zum Schluss des Filmes ihr Wort an die Ausgeschlossenen, an die Diskriminierten und Unterdrückten: «Wir können den Wandel schaffen». Dazu fordert sie uns auf, uns zu vereinen und unsere Kräfte zu bündeln, damit das Saatgut, die Samen, das Leben nicht zerstört werden.

Mehr Informationen über Juana Vásquez finden Sie in einem Interview, welches wir mit ihr als Vorbereitung für die Kampagne geführt haben. Weitere Artikel zur Geschichte Guatemalas, der Situation der Menschenrechte und über die grassierende Straflosigkeit in dem zentralamerikanischen Land stehen interessierten Leserinnen und Lesern zur Verfügung.

 

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

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Mercia Andrews in Luzern. Bild: Delf Bucher

Weil unser Kampagnengast Mercia Andrews wegen der Lage zum Corona-Virus früher heimreisen musste, zeigen wir Ihnen ihre Anliegen in einem Kurzfilm und einer Videopräsentation. Film ab!

«Wer 50% des Saatgutmarktes kontrolliert, kontrolliert 50% des Nahrungsmittel-Marktes.» Die Worte von Mercia Andrews aus Südafrika sind deutlich. Seit vielen Jahren koordiniert sie ein Netzwerk von Bäuerinnenvereinigungen, welches in neun Ländern des südlichen Afrikas tätig ist. Die Machtzunahme der Agrarkonzerne sind ein grosses Thema in ihrer Arbeit. An vielen Orten ist das Tauschen, der Verkauf und der Anbau von Saatgut aus der Vorjahresernte verboten. Bäuerinnen und Bauern werden kriminalisiert, dem industriellen Saatgut der Konzerne wird Vorschub geleistet.

Mercia Andrews ist für die diesjährige Ökumenische Kampagne in die Schweiz gekommen, um von all diesen Dingen zu erzählen, in Pfarreien, Schulen, Kirchgemeinden und an Unis. Wie sich die Bäuerinnen im südlichen Afrika organisieren. Wie sie Widerstand leisten und sich für ihr eigenes Saatgut einsetzen, tagtäglich. Aufgrund der Ereignisse zum Corona-Virus ist Mercia Andrews nun früher wieder abgereist.

Jules Rampini, Biobauer aus Luthern
Ein Film, eine Präsentation und eine Webdoku

Vor ihrer verfrühten Heimreise hat sie Jules Rampini auf seinem Hof getroffen, einen alten Bekannten, Theologe und Biobauer, der mit agrarökologischen Anbaumethoden arbeitet. Wir haben die zwei mit der Kamera begleitet, um Ihnen so wenigsten einen kleinen Eindruck zu geben von ihren Anliegen. Sehen Sie sich den Film «Auch wir sind Saatgut» hier an. (Deutsch-Englisch, mit deutschen Untertiteln).

Ausserdem hat Mercia Andrews im Büro Luzern der Fastenaktion eingehender von ihrer Arbeit erzählt. Auch diese rund 30-minütige Präsentation (Englisch) wollen wir ihnen ebenfalls zugänglich machen – in der Hoffnung, auch damit etwas vom Spirit und der Expertise von Andrews zu Ihnen zu bringen.  

Und falls Sie noch mehr wissen wollen über die Arbeit von Mercia Andrews und ihren Kolleginnen: Unter dem Link «Traditionell ist nur das Saatgut» finden Sie eine spannenden Webdokumentation in Bild, Ton, Film und Text.

Wir wünschen Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und Sichtung der Filme!

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26.02.2020, Luzern/ Bern. Derzeit verhandelt die Schweiz ein Freihandelsabkommen mit Malaysia. Tritt es in Kraft, verlieren malaysische Bäuerinnen und Bauern die Kontrolle über ihr Saatgut an die Agrarkonzerne. Das bedroht ihre Lebensgrundlage. Fastenaktion, HEKS und Partner sein unterstützen deshalb ihre Protestaktion, die mittlerweile vier Kontinente umfasst.

«Wir leben von der Landwirtschaft», sagt Borhan Omar, Gemeinderatsmitglied des Dorfes Sungai Rusa in Malaysia. Seit Generationen züchten die Bauernfamilien seiner Gemeinde ihr eigenes Saatgut. Sie vermehren, tauschen und verkaufen es. Genau das will aber ein neues Gesetz verbieten. «Wenn wir nicht mehr eigenes Saatgut produzieren dürfen, bestimmen die Saatgutfirmen den Preis. Das Gesetz verhindert zudem, dass wir den kommenden Generationen unser traditionelles Wissen weitergeben können», sorgt er sich.

Im geplanten Freihandelsabkommen fordert die Schweiz, dass Malaysia ein strenges Sortenschutzgesetz auf Saatgut einführt (gemäss UPOV 91-Abkommen). Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – garantiert Züchterinnen und Züchtern Monopolrechte. Davon profitieren vor allem Agrarkonzerne, während Bäuerinnen und Bauern Saatgut nicht mehr frei tauschen und verkaufen dürfen. In Zukunft werden sie es jedes Jahr teuer von Saatgutfirmen kaufen müssen. Das Angebot der internationalen Konzerne ist auf einige wenige Sorten beschränkt und meist nicht an lokale Gegebenheiten angepasst. Damit sie wachsen und reiche Früchte tragen, brauchen sie zudem Dünger und Pestizide – von den gleichen Konzernen. Für die Agrarindustrie ist das ein saftiges Geschäft, die Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität hingegen sind verheerend.

Für HEKS, Fastenaktion und Partner sein ist das inakzeptabel. «Das von der Schweiz geforderte Sortenschutzgesetz führt dazu, dass die Menschen das Recht an ihrem eigenen Saatgut verlieren. Das widerspricht der UN-Deklaration für die Rechte von Kleinbauern und –bäuerinnen, welche 2018 von der Schweiz mitunterzeichnet wurde» sagt Tina Goethe, die bei HEKS das Thema Recht auf Nahrung betreut.

Post aus Malaysia

Heute kontrollieren drei Konzerne weltweit über die Hälfte des kommerziell gehandelten Saatgutes, darunter Syngenta mit Sitz in der Schweiz. Damit entscheiden wenige Unternehmen, was angepflanzt wird und auf den Tisch kommt. Die Folgen davon zeigen sich bereits auch in Ländern, in denen Fastenaktion und Brot für alle tätig sind.

Damit es in Malaysia nicht soweit kommt, haben Borhan Omar und rund 90 malaysische Bäuerinnen und Bauern Briefe ans Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geschickt, welches die Verhandlungen führt. Sie wollen, dass die Forderung nach einem Sortenschutzgesetz gemäss UPOV 91 aus dem Freihandelsabkommen herausgenommen wird.

In der Schweiz wird die Aktion von zahlreichen Pfarreien und Kirchgemeinden mitgetragen. Aus eigener Betroffenheit und Solidarität mit Malaysia haben bisher über 1’000 Menschen in Afrika, Lateinamerika, der Schweiz und weiteren asiatischen Ländern ans Seco geschrieben. «Viele Partnerorganisationen aus Ländern, in denen das Sortenschutzgesetz bereits in Kraft ist, beklagen massive Einschränkungen für die Bäuerinnen und Bauern. Und dort, wo es noch nicht umgesetzt wurde, schwebe es wie ein Damoklesschwert über ihnen», sagt Claudia Fuhrer, bei Fastenaktion zuständig für Recht auf Nahrung. «Die Schweiz darf daher auch in zukünftigen Handelsabkommen mit Entwicklungsländern keine strengen Sortenschutzgesetze verlangen».

Mit Agrarökologie gegen den Klimawandel

Die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen gehört zu den wichtigsten Verursachern des Klimawandels. Die Hilfswerke setzen sich deshalb für eine Stärkung von agrarökologischen Anbaumethoden ein, die sowohl Prävention gegen den Klimawandel sind, als auch Antwort darauf.

Die Agrarökologie basiert auf der Erfahrung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft: Pflanzensorten werden so kombiniert, dass sie sich gegenseitig vor Schädlingen schützen und mit Nährstoffen versorgen. Bauernfamilien, die mit ihrem eigenen Saatgut arbeiten, pflanzen viele verschiedene Sorten und fördern damit die Biodiversität. Sie passen ihre Pflanzensorten laufend den neuen Gegebenheiten an. Das ist zentral für ein intaktes Ökosystem und eine ausgewogene Ernährung.

Unter dem Motto «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» fordern Fastenopfer, HEKS und Partner sein in der Ökumenischen Kampagne: Bäuerliches Saatgut und die Kontrolle darüber muss in den Händen der Bäuerinnen und Bauern bleiben. 

Mediendossier mit weiterführenden Unterlagen:

Auskünfte:

Tina Goethe, Dossier Recht auf Nahrung HEKS,
, 031 380 65 93 / 076 516 59 57

Claudia Fuhrer, Programmverantwortliche Recht auf Nahrung Fastenaktion,
, 041 227 59 42

Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenaktion,
, 041 227 59 21

Gabriela Neuhaus, Medienverantwortliche HEKS,
, 031 380 65 71

Die Ökumenische Kampagne in Kürze

HEKS (reformiert) und Fastenaktion (katholisch) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten zu verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende zu unterstützen oder sich an einer Aktion zu beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff der gelebten Solidarität.

Über 4500 Personen gingen am 22. Februar auf die Strasse um für eine sozialere und ökologischere Landwirtschaft zu demonstrieren. Bäuerinnen, Bürger, Politikerinnen und Aktivisten von jung bis alt sorgten für einen bunten und fröhlichen Umzug. In Vorfeld hatten die Beteiligten gemeinsam die Vision 2030 erarbeitet, um zu skizzieren wie die Schweizer Landwirtschaft in 10 Jahren aussehen könnte. Diese wurde im Anschluss an die Demo an Parlamentarier und Parlamentarierinnen übergeben.

Die Saatgutkoalition war durch HEKS und Fastenaktion mit einem Stand auf dem Bundesplatz vertreten. Tina Goethe konnte mit einer kurzen Rede auf die Problematik des Saatguts aufmerksam machen. Die Briefaktion stiess auf grosses Interesse. 230 Personen haben während der Demo einen Brief an das Seco geschrieben, mit der Forderung, künftig in den Freihandelsabkommen darauf zu verzichten, andere Länder zu einem restriktiven Sortenschutz zu zwingen und damit die Rechte der Bäuerinnen und Bauern zu beschneiden.

Alle Bilder und mehr Infos zur Briefaktion finden Sie hier.

Vision 2030 von Landwirtschaft mit Zukunft

 

«Ich bin heute hier, weil wir uns dafür einsetzen, dass das Saatgut in den Händen von Bäuerinnen und Bauern bleibt. Wir von HEKS und Fastenaktion unterstützen Bauernorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika in ihrem Widerstand gegen den Versuch der Agrarkonzerne, Saatgut zu privatisieren und zu monopolisieren.

Ich bin begeistert, dass wir heute so viele sind. Und dass wir gemeinsam eine Landwirtschaft wollen, die sozial ist, die ökologisch ist, die bäuerlich ist.

Saatgut ist dafür zentral. Es steht am Anfang jeder Lebensmittelproduktion. Wenn das Saatgut nicht mehr in der Hand von Bäuerinnen und Bauern ist, können wir unsere Vision einer sozial-ökologischen Landwirtschaft nicht erreichen.

In den Industrieländern haben die Konzerne den Saatgutmarkt längst übernommen. Und es sind nur noch eine Handvoll grosser Agrarfirmen, die den kommerziellen Saatgutmarkt weltweit kontrollieren. Bayer-Monsanto aus Deutschland, Corteva-Agriscience aus den USA. Und natürlich Syngenta, mittlerweile chinesisch, aber mit Hauptsitz in Basel. Die drei teilen 60 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes unter sich auf. Das ist ein Skandal. Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert unsere Ernährung.

Diese Übermacht der Unternehmen dürfen nicht akzeptieren! Sie haben viel zu viel Einfluss darauf, wie die Landwirtschaft heute und in Zukunft aussieht.

Ihren Einfluss setzen die Firmen auch in Afrika, Asien und Lateinamerika ein, um neue Märkte zu erschliessen. Und die Schweiz unterstützt sie dabei tatkräftig.

Das Vehikel dazu sind Freihandelsabkommen. Wenn die Schweiz verhandelt, sind die Interessen der Agrarkonzerne immer mit an Bord. Beim Abkommen mit Indonesien zum Beispiel, hat die Schweiz durchgesetzt, dass Indonesien ein strenges Sortenschutzgesetz verabschieden muss.

Sortenschutz ist eine Art Copyright auf Saatgut. Damit erhalten die Konzerne auf ihre Sorten das alleinige Verfügungsrecht. Wer solches Saatgut kauft, darf es genau einmal aussäen.

Alles andere ist den Bauern verboten: sie dürfen solcherart sortengeschütztes Saatgut nicht aus der Ernte zurückbehalten für die nächste Aussaat. Sie dürfen es nicht mit anderen tauschen. Sie dürfen es nicht auf dem lokalen Markt verkaufen.

Auf all das drohen mit dem neuen, strengen Sortenschutz hohe Strafen. Aber genau das: Nachbau, Tausch und Verkauf auf dem lokalen Markt machen die Bäuerinnen und Bauern seit Jahrtausenden. In Ländern des globalen Südens sind diese Praktiken auch heute noch Grundlage für Ernährungssicherheit und biologische Vielfalt.

Wenn jetzt die Schweiz Länder wie Indonesien und aktuell auch Malaysia dazu drängt, strenge Sortenschutzgesetze zu verabschieden, dann schützt sie damit nur die Interessen der Agrarkonzerne. Und bringt damit die Länder dazu, die bäuerlichen Saatgutsysteme zu zerstören.

Verantwortlich für die Verhandlungen der Freihandelsabkommen ist das Staatssekretariat für Wirtschaft, das Seco. Im Moment laufen die Verhandlungen zum Abkommen mit Malaysia.

Darum schicken im Moment Bauern und Bäuerinnen aus Malaysia und vielen anderen Ländern weltweit Briefe ans Seco. Sie fordern, dass das Seco aufhört, in den Freihandelsabkommen strenge Sortenschutzgesetze zu verlangen.

Schliesst Euch den Bauern und Bäuerinnen an. Schreibt auch Ihr einen Brief an das Seco. An unserem Stand haben wir die Briefe vorbereitet. Kommt unbedingt vorbei. Wir freuen uns riesig über Eure Unterstützung – damit das Saatgut in den Händen der Bäuerinnen und Bauern bleibt!»

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Genf, 28. September 2018: Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat heute mit grosser Mehrheit eine Deklaration verabschiedet, die die Rechte von Bauernfamilien und anderer Menschen, die auf dem Land arbeiten, schützt. Dazu gehören auch Fischergemeinden und Nomadenvölker.

Die Uno-Deklaration ist für die Betroffenen von grosser symbolischer Bedeutung. «Ihre Verabschiedung bedeutet Respekt für unsere Arbeit», sagt Elizabeth Mpofu, Generalkoordinatorin der internationalen Bauernbewegung La Via Campesina, die weltweit 250 Millionen Bäuerinnen und Bauern vertritt.

Mpofu ist aus Zimbabwe angereist, damit die Stimme der Betroffenen an der Uno gehört wird. Sie ist Mitglied einer internationalen Delegation, die seit Jahren auf den heutigen Tag hingearbeitet hat. «Wir ernähren die Welt und werden gleichzeitig diskriminiert», fährt die engagierte Bäuerin aus Zimbabwe fort. Die Deklaration gibt den Staaten Richtlinien für eine Politik an die Hand, die Hunger und Armut effizient bekämpft. Denn hierzu muss die bäuerliche Landwirtschaft besser unterstützt werden. Die Anerkennung und Stärkung der Bauernrechte ist dafür zentral. In Afrika, Asien und Lateinamerika werden tagtäglich Bauern und Bäuerinnen bedroht oder gar ermordet.

Die Schweizer Regierung hat heute für die Deklaration gestimmt, während sie 2012 noch keine Notwendigkeit für eine solche Deklaration sah. Eine gross angelegte Kampagne der Schweizer Zivilgesellschaft und Parlamentariern konnte die Schweiz umstimmen. Seiher nahm sie konstruktiv an der zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe teil, die während sechs Jahren den Text der Deklaration erarbeitete.

Fastenaktion, HEKS, Uniterre, HEKS, SWISSAID, CETIM und FIAN-Schweiz haben sich gemeinsam mit ihren Partnern im Süden aktiv für diese Deklaration eingesetzt. Auch in der Schweiz arbeiten Bauernfamilien oft unter schweren Bedingungen. Täglich verschwinden hierzulande zwei bis drei Bauernhöfe. Gleichzeitig ist es für junge Leute, die nicht aus Bauernfamilien stammen, nahezu unmöglich, an Agrarland zu kommen.

Die Uno-Deklaration erkennt das Recht auf Land und Saatgut an. Diese Rechte sind für die Bauernfamilien weltweit von zentraler Bedeutung. Das Saatgut der Bauernfamilien muss zunehmend patentiertem und zum Teil genmanipuliertem Saatgut weichen. Dieses ist nicht nur teurer, es schadet auch der Artenvielfalt und den Böden, da dabei Pestizide verwendet werden müssen. Die mächtige Lobby der Saatguthersteller macht Druck auf die Regierungen.

«Der Deklarationsartikel, der das bäuerliche Saatgut anerkennt, sorgte innerhalb der Schweizer Regierung für die grössten Diskussionen», sagt Michelle Zufferey, Gewerkschaftssekretärin von Uniterre. «Deshalb freuen wir uns heute, dass die Schweiz den Bäuerinnen und Bauern ein positives Zeichen gegeben hat.» Bis Jahresende soll die Deklaration nun von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York verabschiedet werden.

Medienmitteilung (PDF)

Kontakt:

Ester Wolf, HEKS , 076 481 06 01

Michelle Zufferey, Uniterre , 078 640 82 50

Grafiken
 

Offener Brief an die Wettbewerbskommission der EU

Bern, 16. Februar 2017: In der Agrarindustrie stehen grosse Fusionen bevor. Darunter ist der Kauf der Basler Syngenta durch ChemChina. Es droht eine schädliche Marktkonzentration. Beeinträchtigt würde auch die Vielfalt beim Saatgut und damit die Sicherheit der Ernährung weltweit. HEKS hat deshalb einen offenen Brief an die Wettbewerbskommission der EU unterzeichnet, damit diese die anstehenden Übernahmen stoppt.

 

Die Übernahme von Syngenta durch die chinesische ChemChina, der Kauf von Monsanto durch Bayer, sowie in den USA die Fusion von Dow und DuPont : in der Agrochemie stehen drei Grossfusionen vor dem Abschluss. Das verstärkt eine Marktkonzentration, die sich schädlich auf Wettbewerb und Innovationen auswirkt. Zugleich gewinnt die industriell-kapitalistische Landwirtschaft noch mehr an Gewicht und das heisst: mehr Pestizide, mehr Agrogentechnik und weniger Vielfalt beim Saatgut. Dies obwohl der wegweisende Weltagrarbericht von 2008 zum Schluss kam, dass „weiter wie bisher keine Option“ ist. Um die von den Firmen in Aussicht gestellten Einsparungen zu erreichen, dürften sich Forschung und Entwicklung noch stärker nur auf ein paar wenige Pflanzensorten und kommerziell nutzbare Eigenschaften fokussieren. Das schmälert die Vielfalt der Pflanzensorten und beeinträchtigt die Sicherheit der Ernährung weltweit.

«Unter der Marktkonzentration in der Agrochemie werden die Bauernfamilien im Süden besonders leiden. Es ist zu erwarten, dass mit diesen Fusionen mehr Druck auf die Länder des Südens ausgeübt wird, einschränkende Saatgutgesetze zu unterschreiben und gentechnisch verändertes Saatgut zuzulassen», kommentiert Silva Lieberherr, Fachperson Landwirtschaft und Land Grabbing bei HEKS. «Die Wettbewerbskommission muss deshalb bei der Prüfung des Antrages von ChemChina/Syngenta auch die anderen Fusionen und ihre Folgen mitberücksichtigen.»

Hinter dem offenen Brief an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager stehen nebst HEKS die Coordination gegen BAYER-Gefahren, Multiwatch, Public Eye, Swissaid und Fastenaktion. Diese und weitere Organisationen fordern mit dem Schreiben die Wettbewerbskommission auf, bei ihren Entscheiden zu den Fusionen die ganze Marktkonzentration in der Agroindustrie einzubeziehen. «Sonst droht eine Konsolidierung der gesamten Nahrungskette und bringt einer Handvoll Konzerne die Macht über die Welternährung», erläutert Lieberherr. Die Organisationen appellieren deshalb an Frau Vestager, ein Signal für eine Umkehr zu geben und die geplanten Fusionen abzulehnen.

Auskunft: Silva Lieberherr, , 079 489 38 24

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